Auf den Spuren des Nazarener

„Fahren Sie doch mal mit uns nach Israel“ sagte vor gut einem Jahr bei einem Gemeindeabend ein Teilnehmer zu Pfr. Hirschberg. Der nach 6-jähriger Tätigkeit in Jerusalem mit seiner Familie zu uns nach Neunkirchen kam. „Wollen Sie da wirklich hin?“ Ja, wir konnten uns das unter seiner Führung gut vorstellen. Und so plante Pfr. Hirschberg zusammen mit einem kompetenten Reiseunternehmen eine Reise ins „Heilige Land“.

„Auf den Spuren des Nazarener“ so das Thema. Nach theoretischer Vorbereitung an drei Infoabenden war es dann so weit.
Am Freitag, 23.04. bestiegen wir in München den Flieger und landeten nach gutem Flug um die Mittagszeit in Tel Aviv. Dort wartete schon „Omar“ mit seinem Bus auf uns. Er hat uns die nächsten Tage sicher und umsichtig gefahren. Vorbei an typisch arabischen Siedlungen mit Moschee und Minarett bekamen wir einen ersten Eindruck des so vielfältigen Landes. Wir überquerten den Jordan (etwas breiter hatten wir uns den schon vorgestellt) und sahen die kahlen Höhen des Golan, bis wir dann am Ziel waren: En Gev, einem direkt am See Genezareth gelegenen Feriendorf mit Kibbuz-Hotel. Wir teilten uns den Speisesaal und das reichhaltige Büfett mit Gruppen aus Korea und Schweden und vielen jungen Israelis, die den Unabhängigkeitstag feierten.

Vier Tage waren wir da. Jeder Tag brachte uns neue Eindrücke – in den Ruinen des byzantinischen Klosters Kursi hielten wir unsere erste Morgenandacht – Thema: der Mensch Jesus. Seinen Spuren wollten wir folgen und so waren wir in Nazareth, wo wir ihn uns nur schwer vorstellen konnten, wir ließen uns von den Ausgrabungen der einstigen Hauptstadt Galiläas Zippori beeindrucken und sind auch mit einem Schiff über den See gefahren. Wir waren bei den Ausgrabungen in Kafarnaum, wo Jesus gelebt und gewirkt hat. Reste der Synagoge und des Petrushauses gab es da zu sehen. Nächste Station „Berg der Seligpreisungen“. In der Kirche mit der tollen Akustik sangen wir zu unserer und anderer Menschen Freude: „Selig seid ihr, wenn …“ und wie auf dieser Reise immer wieder „Laudate omnes …“. Dann wanderten wir vorbei am Gedenkstein der Brotvermehrung mit herrlichem Blick auf den See hinab nach „Tabgha“. Am Ufer des Sees feierten wir das Abendmahl.

Wir fuhren über die Höhen des Golans (Grenzgebiet zu Syrien mit UN-Präsenz) nach Banjas und Dan zu den Jordanquellen und wanderten entlang des Quellflusses vorbei an zahlreichen Wasserfällen und bewunderten die subtropische Vegetation. Abends saßen wir am Ufer des Sees und hörten von Pfr. Hirschberg das Markus-Evangelium (12 Kapitel). Für uns ein besonderes Erlebnis am Ort des Geschehens.

Dann nahmen wir Abschied von Galiläa. Zuerst besuchten wir noch die antiken Ausgrabungen in Bet-Schean. In den warmen Quellen von Sachne (paradiesischer Naturpark mit großem Freizeitbetrieb) haben wir gebadet.

Nach eindrucksvoller Fahrt durch das Jordantal fuhren wir wirklich „hinauf“ nach Jerusalem. Wir sahen sie Stadt schon von weitem.
Bis zum Jaffa-Tor brachte uns Omar, unser Gepäck wurde von einem Mini-Traktor abgeholt und wir bekamen einen ersten Eindruck beim Gang durch die Altstadt, durch die engen stei-nernen Gassen, bis wir schließlich vor dem schmalen Eisentor des Ev. Hospizes standen und eingelassen wurden. Ein Haus, das noch aus der Kreuzfahrerzeit stammt und zu einem schönen Gästehaus ausgebaut wurde. So konnten wir im herrlichen Garten sitzen und hatten von der Dachterrasse einen Blick über die ganze Stadt. Vielfältige Geräusche vermischten sich mit Glockengeläute und den Gebetsrufen von den Minaretten. Zwei Köchinnen aus Bethlehem kochten für uns, und es gab auch den guten Rotwein, den wir uns schon in Galiläa „geleistet“ hatten. Wir fühlten uns sehr wohl und wollen dies auch weitersagen, denn auch dort herrscht zurzeit Gästemangel.

Bevor wir uns dem letzten Teil unserer Reise unter dem Motto „die Vollendung des Weges Jesus“ zuwendeten, fuhren wir noch mit Omar entlang der Wüste Juda nach Qumran und zur Felsenfeste Massada. Im Toten Meer konnten wir baden und eine schwefelhaltige heiße Quelle auf uns wirken lassen.

Wir haben das jüdische und das christliche Jerusalem erkundet. Klagemauer, Tempelberg, Zitatelle, Zionsberg u. v. m. Eine „rasante“ Taxifahrt brachte uns zur Auguste Victoria und wir bestiegen den Turm der Himmelfahrtskirche, der früheren Wirkungsstätte unseres Pfarrers. Wir wanderten über den Ölberg zur Himmelfahrtsmoschee, die Vater-Unser-Kirche, Dominus-Flevit und der Garten Gethsemane lagen an unserem Weg. In der wunderschönen Kreuzfahrerkirche St. Anna mit der guten Akustik haben wir gesungen. Die Reste des Betesda Teiches wurden uns gezeigt – durch die Gassen der Altstadt mit den vielen Läden sind wir gegangen, fast menschenleer die „Via Dolorosa“, weiter zur Grabeskirche mit Golgatha und dem Heiligen Grab. Auch das Armenische Viertel haben wir besucht und dort in einem schönen Garten arabisch gegessen. Wir feierten noch einen Abendmahl-Gottesdienst am Samstagabend in der Erlöserkirche (Probstei), bevor wir am Sonntagmorgen wieder die Heimreise antraten.

Nicht vergessen wollen wir die Menschen, die wir persönlich kennen gelernt haben: z. B. Rachel Freudenthal – aktiv in der Friedensbewegung tätig – engagiert bei den Aktionen der „women in black“ und Margaret Younan, Erzieherin im internationalen Kindergarten auf dem Ölberg. Beide haben uns dringend um unser Gebet für ihr Land in der aktuellen Situation gebeten.

Natürlich haben wir „die Mauer“, Stacheldraht, Panzersperren und Soldaten gesehen, aber auch viele Menschen, die unseren Pfarrer freudig begrüßten und umarmten und sagten: Sind das Leute aus deiner Gemeinde – wie schön, dass ihr gekommen seid.

„Wem Gott will rechte Gunst erweisen, den schickt er in das Heil’ge Land …“
So beginnen die „Dankverse“ von Hanns-Gerd Hensel für Pfr. Hirschberg. Wir haben wirklich „Gottes Gunst“ im Sinne des Wortes erfahren – auch die Gunst der Stunde gehört dazu – und sind dankbar und froh über alles Erlebte. Vielen Dank unserem „Guide“, der uns so gut geführt hat und allen, die uns in Gedanken und Gebeten auf unserer Reise begleitet haben

 

Helga H.