Der Opernsänger

Es ist nun schon 20 Jahre her, dass wir Israel besucht haben. Viele Eindrücke sind uns noch in lebhafter Erinnerung. Ein Erlebnis ist uns besonders haften geblieben, weil es schon etwas Außergewöhnliches war. Davon wollen wir jetzt berichten.

Es war ein heißer Maitag im Gelände von Golgatha. Wir suchten einen Schattenplatz unter Bäumen. Unsere Gedanken gingen 2000 Jahre zurück, zum schrecklichen Geschehen der Kreuzigung Jesu. Eine beklemmende Stille umgab uns. Plötzlich hörten wir einen klangvollen Gesang. Wer singt hier? Wir folgten der Stimme und standen vor einem Mann in einem armseligen abgetragenen Anzug. Deutsche und englische Worte hörten wir. Es waren wohl selbstgewählte Lobeshymnen, die Jesus Christus galten. Auffallend waren die klangvollen Melodien eines dankbaren Menschen, der zweifellos ein Künstler war.

Wir haben ihm Beifall geklatscht, weil es uns innerlich stark bewegte. Danach kamen wir ins Gespräch miteinander. Was wir nun hören mussten, war eine erschütternde Lebensgeschichte, die einer Beichte glich.

Der etwa gut 40-Jährige war ein ehemaliger Opernsänger, der an deutschen und ausländischen Bühnen als Solist gewirkt hatte. Dann kam durch Alkohol, Drogen und zügelloses Leben der Absturz, der ihm Stellung, Scheidung und Verarmung brachte.

Irgendwann muss er zur Besinnung gekommen sein. Er fand zum Glauben an den Helfer in seiner Not. Nun stand für ihn fest: Er will unbedingt seinen Dank für die Hilfe dort abstatten, wo sein Heiland gelebt und gewirkt hatte, in Israel.

Und so durften wir Zeugen sein wie er das musikalisch abstattete. Wir haben dann mit ihm und seinem Begleiter beten können und uns auch gegenseitig gesegnet.

Hans G.