Die Rabbi-Tauben von Masada

Der Blick von der alten Bergfestung Masada über die Negevwüste, die Judäischen Berge und das Tote Meer ist atemberaubend schön.

Als ich 1989 während eines Urlaubs auf dem 400 m hohen Tafelberg stand und über das großartige Land sah, war es ein beeindruckender Moment in meinem Leben.

Die Sonne flirrte über der Landschaft und brannte auf die Erde. Zum Glück waren meinen Freunde und ich fast ganz alleine auf dem Plateau. Es waren nur wenige andere Touristen dort oben und wir genossen die großartige Aussicht, die Stille der Berge und die ruhe der Negevwüste. Wir sahen uns alles genau an und natürlich wollten wir auch zur Ruine der alten Synagoge von Masada. Sie soll ja die älteste Synagoge der Welt sein, und wir hatten uns schon so viele schöne Orte in Israel angesehen.

Als wir an den Ausgrabungen der alten Synagoge angekommen waren, setzten wir uns auf ein paar Steine, um uns auszuruhen und etwas zu trinken. Wir hatten Durst, kein Wunder bei einer Temperatur von fast 40°C hier oben im August. Wir unterhielten uns darüber, wie wir den weiteren Tag gestalten würden und was wir uns noch ansehen wollten. Da hörten wir ein Rascheln und Flügelschlagen über uns. Es waren zwei weiße Tauben, die aus der Wüste angeflogen kamen und direkt vor unseren Füßen landeten. Wir waren sehr überrascht. Man stelle sich einmal vor, mitten in der Negevwüste und oben auf diesem Felsplateau landen zwei weiße Tauben vor unseren Füßen!

Aber was dann geschah verwunderte uns noch mehr.

Die beiden Vögel marschierten gurrend an uns vorbei und gingen direkt auf den Eingang der alten Synagoge zu. Wir trauten unseren Augen nicht, aber die beiden Tiere gingen in das alte, verfallene Gotteshaus hinein, als wäre es das Normalste, was diese Tauben machen könnten.

Unsere Blicke folgten den Tauben und wir staunten. Nachdem die beiden Vögel den Eingang der Synagoge hinter sich gelassen hatten, machten sie sich auf den Weg zur Stirnseite des Gebäudes. Nun mussten wir aufstehen, um sie weiter zu beobachten. Die Tiere blickten sich um und sahen uns an. Sie flogen aber nicht davon, sondern setzten ihren Weg unbeirrt fort. Als sie an einer Wand angekommen waren, wir vermuteten, dass dort früher einmal das Allerheiligste der Synagoge gewesen sein musste, stellten die Tauben sich mit ihren Gesichtern zur Wand. Dabei fingen sie an zu gurren und nickten mit ihren Köpfen, wie wir es Tage zuvor in Jerusalem gesehen hatten, als gläubige Juden auf genau die gleiche Art und Weise dort an der Klagemauer standen und beteten. Mein Freund und ich konnten kaum glauben, was wir dort sahen.

Die Tauben blieben etwas zehn Minuten in der Synagoge, um zu „beten“. Danach marschierten sie zum Eingang zurück, sahen uns noch einmal an und flogen in die Wüste hinaus. Sie verschwanden in der Hitze über dem Toten Meer und ließen drei völlig verblüffte Menschen zurück.

Hatten wir geflügelte Rabbis gesehen oder waren es Engel? Wir wussten es nicht, aber es war eine wirklich sehr beeindruckende und wahre Begebenheit im Heiligen Land.

Ich hatte noch andere Erlebnisse während dieser Reise und Israel wird mir immer in meiner Erinnerung bleiben.

Jörg R.