Du kleines Land Israel

Ja, unser solltest du sein, du kleines Land Israel; in unseren Gedanken und guten Wünschen, in kritischer Begleitung und nicht zuletzt in unseren Gebeten. Du hast es nicht leicht, keinem kannst du es recht machen und deinen Nachbarn bist du ein Fremdkörper. Und alles wegen Gott! Doch das ist ein anderes Thema

Von dir soll ich schreiben, wie ich dich erlebt habe auf meinen beiden Reisen, wenn sie auch schon lange her sind — aber, ich trage deinen Namen und werde dadurch stets an dich erinnert.

Unser Reiseführer war ein alter Kämpfer, unter anderem ein Mitbefreier eines Konzentrationslagers. Da gab es auch harte Worte zu hören. Bei uns waren Ältere, die zu den Schuldigen gerechnet werden, da konnten schon mal die Gefühle hochkochen, nicht nur in Yad Va Shem. Doch es gab dann viele Jahre ein herzliches Verhältnis.

Wenn ich die Augen schließe und an Israel denke, dann habe ich immer noch viele Bilder vor mir: An das Tote Meer zum Beispiel, das jetzt kleiner geworden ist als damals, als ich mich von ihm tragen ließ. Sand und Steine treten dafür zutage und Frau Lot steht nun wohl unbeachtet abseits?

Den Jordan hinauf, von Stein zu Stein in einer Fülle von hinab rauschendem klaren Wasser, sind wir gewandert und abends bei Mondschein im See Genezareth geschwommen mit dem Gedanken Wasser, Wasser, so viel Lebenswasser. Wo ist es hin, wenn am Toten Meer fast nur noch ein Rinnsal ankommt? Wir bekamen die Wasserwirtschaft erklärt. Die Landwirtschaft geht sparsam damit um. Schläuche mit Löchern an jeder Pflanze geben nur das Nötigste ab. Meereswasser-Entsalzungsanlagen helfen den Vorrat vergrößern. Israel muss ja auch Wasser an die Palästinenser abgeben. Wir Touristen sollen auch sparsam damit umgehen. Jedes Jahr bringt die bange Frage, wird genug Regen fallen? Das kostbare Nass ist wirklich eine Lebensfrage.

Der Aufstieg nächtens auf den Horeb ist mir noch sehr gegenwärtig. Bibbernd warteten wir auf die Sonne. Die Dämmerung malt ein mehrfarbig abgestuftes Gemälde — und endlich klettert sie über den Horizont. Schon die ersten Strahlen wärmen uns. Nach unserem Sonnengesang steigen wir fröhlich hinunter.

Nun lädt das Rote Meer zum Baden ein und immer ist der Himmel wunderbar blau. Kamele laufen herum, von uns respektvoll beobachtet. Dazu fällt mir ein:

Bei einer Besichtigung konnte man sich das Laufen sparen. Kaum saß ich auf so einem höckrigen Tier, rannte es mit mir los. Gut, dass ich nicht schreckhaft veranlagt bin, es hat doch gewusst wo es hin muss.

Zur Osterzeit feierten wir bei der zweiten Reise mitten im Wald, dessen Bäume schon recht hoch gewachsen waren, das Abendmahl. Wald in Israel! Bei Golda Meir las ich, wie die ersten Einwanderer in harter Arbeit Sümpfe trocken legen mussten und manches Stück Land erst urbar machten, damit jüdische Menschen endlich eine Heimat bekamen.

An einer Fernstraße warteten wir auf unseren Bus, der nicht kommen konnte; es waren einfach zu viele, die Ostern in Jerusalem sein wollten. Eine Gelegenheit um viele fremde Gesichter und Gewänder nebst Reittieren zu beobachten. Ein Zolleinnehmer, wie aus der Bibel, hätte in diesen Tagen keine Chance, er wäre einfach zur Seite gedrückt worden.

In Bethlehem feierten wir mit palästinensischen Christen einen Gottesdienst mit Begegnungen, wenn nicht die Sprachbarriere gewesen wäre.

Die Geburtskirche hat einen besonders schönen Mosaikfußboden mit Ornamenten aus farbigen Natursteinchen gelegt; er wird mit einem Holzboden geschützt. Bei vollem Sonnenschein erklang auf dem Hirtenfeld auf einmal „Stille Nacht“, – das ging gegen meine Gefühle.

Jeder Ort, jede Ausgrabung hinterließ Eindrücke, schöne, schwere, aber lang- anhaltende. Foto um den Hals, Schreibzeug in der Hand, so war ich unterwegs; ich will ja zu Hause einen Reisebericht schreiben.

Jerusalem, du hochgebaute Stadt — wir hätten eigentlich einen Treppenpsalm singend und betend hinaufziehen sollen, denn diese besondere Treppe, ist wieder freigelegt. Der Gang auf der Stadtmauer bei den letzten Sonnenstrahlen zeigte viel von der Stadt und auch, was die Leute auf ihren Dächern so machen. Mit meiner Bettnachbarin bin ich im Halbdunkel durch Mea Shearim geschlichen, ohne viel von den Bewohnern zu sehen, die ja die „Richtigen“ wollen ‚wie erzählt wurde. Als ich den Hufabdruck im Felsendom sah, den Burak, das Pferd vom Prophet Mohammed, eindrückte, als es mit ihm in den Himmel sprang, dachte ich an unseren Propheten Elia, der mit feurigen Rossen und Wagen auch in den Himmel unterwegs war.

Im Sinne der gemeinsamen Wurzel sollten Christen und Muslime nicht ablassen mit Neugier und Respekt aufeinander zuzugehen, es würde alle nur bereichern. Meine dritte Reise kam nicht zustande. Nun bin ich fast zu alt für so eine große Unternehmung. Dafür besuche ich im Fernsehen, in Filmen und Büchern das kleine Land Israel und wünsche ihm sicheres Wohnen, wie auch den palästinensischen Menschen.

Luise I.