Ein Fazit

Im Jahre 1979 habe ich an einer Studienreise ins Heilige Land teilgenommen. Ich wollte zu gerne das Land und die Stätten kennen – lernen, wo Jesus geboren, in einer Familie gelebt und heilbringend gewirkt hatte. – Durch einen Irrtum bin ich nicht am 21. Juni mit der Reisegesellschaft, sondern allein am 22. Juni nach Tel-Aviv geflogen. Aber dieser Umstand bescherte mir schon ab Flughafen die wertvolle Bekanntschaft einer Deutsch-Jüdin, die nach einem Besuch in Deutschland, wieder nach Hause, Tel-Aviv, zurückflog. In Tel-Aviv vor dem Portal unseres Ramada-Hotels postierten zu meinem Erstaunen links und rechts maschinenpistolen-tragende Uniformierte. Das Hotel verfügte über eine gute, freundliche europäisch geführte Gastronomie. Von unserer Reiseleiterin wurden wir über die allgemeinen Verhältnisse in Israel unterrichtet; vor allem über die dauernden Unruhen und kleinen politischen bzw. militärischen Angriffe. Wir ließen uns aber unsere Erwartungsfreude nicht trüben.

Am ersten Tag wurden wir von einem Reisebus mit deutschsprachigem Führer abgeholt zur Fahrt an das Tote Meer. Die Tour führte durch die „Goldene Stadt“, in der wir die Rabbis mit langen schwarzen Gewändern und pelzdrapierten Hüten bei ihren Sabbat-(Sonntags)-Spaziergängen beobachten konnten. Das Mittagessen nahmen wir in einem Kibbutz ein. In Massada wurden wir über die geschichtliche Bedeutung der Stadt und der auf dem Berg stehenden Herodesburg aufgeklärt. In bzw. auf dem Toten Meer konnten wir die Tragfähigkeit des stark salzhaltigen Wassers am eigenen Körper erfahren. Der zweite Tag war für mich der eindrucksvollste: Jerusalem und Bethlehem. Jerusalem ist die Stadt für alle Religionen; der Felsendom mit goldener Kuppe als jüdischer Tempel in der Nähe von christlichen Kirchen und den Moscheen. Es ist schon ein eigenartiges Gefühl durch das „Goldene Tor“ zu gehen, durch das der Überlieferung nach Jesus seinen triumphalen Einzug in die Stadt hielt. An der „Klagemauer“, Westmauer des Felsendoms, legten auch wir die Hände an die Steine und dankten unserem Herrgott für alles Gute. In den Ritzen des Mauerwerks steckten überall Papierstreifen mit Gebetsanliegen der gläubigen Juden. Beim Betreten der Via-Dolarosa war ich wieder ganz ergriffen bei dem Gedanken, dass unser Erlöser, der Große Gott, Jesus Christus, tatsächlich diesen Leidensweg gegangen ist.

In Bethlehem, in der Geburtskirche, durften wir die Treppenstufen hinunter zu der ehemaligen Krippe betreten. – Steht man tatsächlich als kleiner unwichtiger Mensch da, wo der Große Gott geboren wurde? Es ist unfassbar! — Der Bus, der uns am nächsten Tag nach Nazareth und zum See Genezareth bringen sollte, wurde beschossen, traurig! aber es kam ein anderer Bus, der die Fahrt übernahm. Wir besichtigten die Josefskirche, die über der Grotte errichtet wurde, in der die Hl. Familie gelebt haben soll. Uns werden Treppen und Mauerreste gezeigt über die Jesus selber gegangen ist. In mir streiten sich die Gefühle zwischen Zweifel und vollkommene ergriffene Gläubigkeit. Der große, allmächtige Gott, der Schöpfer des Alls, er, der auch mich erschaffen hat, erhält oder auch abberufen kann – Er hat mich für würdig befunden meine Füße dahin zu setzen wo er in seinem Sohne einst lebte?- Auf den Stufen zitterten mir die Beine und mir wurde fast schwindlig bei der Vorstellung. — Von Nazareth zum See Genezareth kommen wir zunächst an den Unterlauf des Jordans, an dem Johannes Jesu taufte; wir tauchen in Erinnerung kurz unsere Hände in das Wasser. Am See Genezareth genießen wir mit Palmenwedeln in den Händen, barfuß im Wasser, die frische Seeluft. Die Fahrt geht nach Kanaa und Karphanaum, wo Jesus seine Wunder wirkte.

Da auf den Golan-Höhen wieder unangemeldete Kämpfe ausgebrochen waren, fuhren wir über Akko u. Haifa zurück nach Tel-Aviv.

An einem freien Nachmittag haben meine Bekannte und ich eine Freundin, die in dem kleinen Ort Pfar-Shamshou wohnt, besucht. Sie lebt mit ihrer Familie in einem schönen großen Haus. Der Schwiegersohn ist Deutschlehrer an einer Schule (ähnlich wie unsere Realschule) in Tel-Aviv. Die Familie betreibt noch eine Orangen-Plantage und eine Hühnerfarm. Die Freundin konnte uns eine Menge vom tatsächlichen Leben in Israel berichten; sie war damals als Jüdin aus Deutschland hierher geflohen.

Wenn ich aus all meinen Erlebnissen und Gefühlen ein Fazit ziehen soll — ist das etwas beunruhigend fragend:

Lieber Gott, warum lässt du dein Volk nicht zur Ruhe kommen?
Warum wird der christliche Glaube in dem Land, das du auserwählt hattest als Lebensraum deines Sohnes, nicht mehr geliebt, gelebt und geachtet? Nein, teilweise sogar bekämpft?

Es war eine Reise mit beeindruckenden Erlebnissen, eine besondere Art Gott näher zu kommen und sehr, sehr nachdenklich zu werden. Wie können wir es schaffen, dass Israel mit all seinen Heiligen Stätten Unser Israel bleibt?

Elisabeth K.