Eindrücke aus 1981

Im Rahmen der jährlichen Informations-Flugreisen der Volksbank Bitburg e.G. nahm ich an der einmalig schönen und interessanten Reise nach Israel teil. Es sind zwar schon 32 Jahre seither vergangen, aber die viele Eindrücke von dieser Reise sind mir noch immer gegenwärtig. Es war eine große Gruppe von 42 Leuten. Mit einem Flugzeug der israelischen Luftfahrtgesellschaft El-Al flogen wir nach Tel Aviv. Per Bus ging es nach Jerusalem und das Herz schlug höher in dem Gedanken, dorthin zu kommen, wo wir schon als Kinder so vieles aus der Bibel haben erfahren können. Unser Hotel lag, soweit ich mich noch jetzt erinnern kann, auf einer kleinen Anhöhe, und von dort hatten wir schönen Blick über Jerusalem. Bei der Ankunft erhielten wichtige Informationen und die ausdrückliche Empfehlung auf keinen Fall auf eigene Faust etwas zu unternehmen.

Unser erster Ausflug war nach Jericho, der wohl ältesten Stadt der Welt, unweit von Jerusalem, im Jordantal gelegen, 300 m unter dem Meeresspiegel. Ich sah zum ersten Mal Ziegen auf Bäumen. Herodes hatte eine neue Stadt Jericho errichten lassen im hellenistischen Stil.

Dann aber besuchten wir Jerusalem, die heilige Stadt von drei Religionen: Juden, Christen, Islam.

Die Klagemauer war imponierend. Viele Leute jüdischen Glaubens standen betend davor. Menschen aus vielen Nationen bestaunten das Reststück der den einstigen Tempel umgebenden Mauer.

Wir besuchten die Grabeskirche, die vermutete Stelle des Grabes Jesu. Weitere Stationen waren die Kreuzauffindungskapelle, die Via Dolorosa, den Weg des kreuztragenden Heilands hin nach Golgatha. der Kreuzigungsstätte Jesu. Sehr angetan waren die Reiseteilnehmer von der Geburtskirche in Bethlehem, der Geburtsstadt des David. Im Innern der Kirche die Grotte, in der das Christuskind geboren wurde. Es war eine bewegende Szene; Menschen weinten vor Freude, an der Stelle sein zu dürfen, wo das biblische Geschehen stattgefunden hat. „Stille Nacht, heilige Nacht“ das Lied, das sie so oft als Kind in der Weihnachtszeit von den Eltern hörten, drängte sich ihnen auf. Die Teilnehmer kauften dort Kerzen, um sie mit nach Hause zu nehmen, sozusagen als Beweis, dass sie an dieser hl. Stätte gewesen sind. Auch ich kaufte 3 Kerzen und nahm sie mit nach Hause. Meine Frau zündete später in besonderen Anliegen immer wieder eine Kerze aus der Geburtskirche an. Diese Kirche, so unsere Reiseleitung, sei im Jahre 326 als fünfschiffige Basilika von Kaiser Konstantin erbaut worden und Kern der heutigen Kirche zwischen armenischen, lateinischen und griechischen Klöstern.

Schließlich besuchten wir Gethsemane, wo die Jünger einst mit Jesus weilten bevor er von den Schergen des Herodes gefangen genommen wurde. Golgatha, wo von den Kreuzrittern im Jahre 1149 eine Basilika erbaut wurde. Wir besuchten noch viele historische Stätten, heute nur Ruinen. An einer dieser Stätten sprach ich mit einem älteren Herrn, der wohl mit der Aufsicht beauftragt worden war. Er erzählte mir, dass er 1933 von Wien nach Israel ausgewandert sei und er versuchte mir den Unterschied zwischen Juden und Israelis zu erklären. Ein besonderes Erlebnis war auch der Besuch in Nazareth, der Heimatstadt des Hl. Josef, mit der Erlöserkirche. Mit einem Boot fuhren wir über den See Genezareth, der heute Tiberias-See genannt wird.

Sehr bemerkenswert war auch der Besuch auf der einstigen Festung Massada, wohin Herodes sich mit seinen Anhängern zurückgezogen hatte vor den Römern. Mit einem Lift erreichten wir die obere Plattform. Unsere Reiseleiterin erzählte uns von den tragischen Ereignissen bei der Eroberung von Massada, einem Bergmassiv unweit des Toten Meeres. Auch die historische Fundstätte von Qumran wurde uns gezeigt, wo nach nahezu 2000 Jahre wichtige Schriftrollen mit Hinweisen aus der Biblischen Geschichte gefunden wurden. Eine Nacht waren wir in Kyriath-Schmone, einem Kibbuz nahe der Grenze zu Syrien untergebracht. Von dort machten wir einen Ausflug auf syrisches Gebiet und sogar auf die geschichtsträchtigen Golanhöhen von wo wir einen einmalig interessanten Ausblick auf Syrien und den Libanon hatten.

Ein Besuch am Toten Meer durfte nicht fehlen. Unsere israelische Betreuerin erklärte uns, dass das Wasser des Meeres einer der wichtigsten Exportartikel Israels sei, als Heilmittel bei bestimmten Krankheiten, insbesondere bei Augenleiden. Einige von uns wollten in diesem historischen Meer, das ca. 400 m unter dem Meeresspiegel liegt, schwimmen. Wegen dem außerordentlichen Salzgehalt kann man nicht untergehen. Es war sehr heiß dort. Nach dem Bad konnte ich meine Schwimmhose hinstellen; sie fiel nicht mehr in sich zusammen.

Alle Teilnehmer an der Reise hatten eine Verlängerungswoche in Netanya gebucht. Wir wohnten dort im mondänen Hotel „Blue Bay“. Der Hotelchef war ein Deutscher. Mir wurde als Leiter unserer Gruppe ein besonders apartes Zimmer zugeteilt. Wir hatten sehr viel Freude am Strand von Netanya, aber auch einige unglückliche Ereignisse. Am ersten Tag im Hotel fiel eine ältere Dame und brach sich einen Arm. Das Hotel stellte uns ein Taxi für die Fahrt in ein Krankenhaus in Tel Aviv zur Verfügung. Nach langem Warten im Krankenhaus erklärte man uns, dass wir zu einem anderen Krankenhaus fahren müssten, da man keinen Röntgenapparat zur Verfügung habe. Im nächsten Krankenhaus wurde die Dame schnell und gut behandelt und ein Gipsverband angelegt. Wir fuhren ein paar Mal mit einem Shuttle-Bus nach Netanya. Beim Warten auf den Bus in der Stadt war einem Teilnehmer die Handtasche mit Ausweis und Flugtickets gestohlen worden. Ich fuhr mit ihm zur Deutschen Botschaft in Tel Aviv um Ersatzpapiere zu erhalten. Wir mussten anstehen und hatten das Pech, dass wir zurückgeschickt wurden, weil wir keine Passfotos hatten. Per Taxi fuhren wir in die Stadt und erhielten nach längerem Suchen schließlich Sofortbilder und erhielten in der Botschaft die gewünschten Nachweise. Unsere freundliche Reiseleiterin hatte für den Rückflug Ersatztickets beschafft.

Nach zwei Wochen einer überaus interessanten und erlebnisreichen Reise landeten wir wieder auf dem Flughafen in Frankfurt.

In einer Nachbetrachtung dieser Reise einige Wochen später waren die Teilnehmer noch immer sehr beeindruckt von den vielen Sehenswürdigkeiten und allem Erlebtem im Heiligen Land.

Rudolf L.