Einmal im Leben

Einmal im Leben das Heilige Land gesehen und betreten zu haben, auf den Spuren Jesu gegangen zu sein, ist die Erfüllung eines jeden Menschen, der sich zu Jesus Christus bekennt. So war es auch mein innigster Wunsch, einmal in das Land der Bibel, wo Gott einen Bund mit Moses und dem Volk Israel geschlossen hat und Jesus geboren, gestorben und auferstanden ist, zu reisen. Ja, wenn auch mit gemischten Gefühlen, denn gerade hatte in Ägypten der „arabische Frühling“ begonnen. Würde dieser Aufstand auch Auswirkungen auf die Sicherheitslage in Israel haben? Aber ich wollte das Risiko eingehen und meinen Traum verwirklichen, denn unsere Nachbargemeinde hatte eine Reise in das Land Israel geplant, die im Februar 2011 stattfinden sollte. Ich meldete mich an und das Abenteuer Israel sollte am 15.02.2011 beginnen.

Endlich war es soweit, wir landeten in Tel Aviv. Welcome to Israel war auf großen Lettern zu lesen. Unser Reiseleiterteam stellte sich vor und brachte uns mit dem Bus an den See Genezareth, der von einer üppigen Vegetation umgeben war. Unsere Bungalows lagen direkt am galiläischen Meer und der Ausblick über den See war gigantisch. Auch das Abendessen ließ keine Wünsche offen, ja wir waren im Paradies angekommen und hier durften wir bis zum 18.02.2011 auch bleiben. Dann führte uns die Reise weiter durch die judäische Wüste nach Jerusalem. Unser nächstes Quartier sollte ein Hotel in Bethlehem sein.

Nach dem Frühstück, es war unser 6. Reisetag, Sonntag der 20.02.2011, begleitete uns unser Reiseleiter ins Wadi el Kelt. Auf einem Plateau blieb der Bus stehen, mitten in der Wüste. Sogleich kamen Beduinen, Jungen und Männer, und wollten uns Tücher und Ketten verkaufen. Wir gingen zu Fuß Richtung St. Georgs Kloster, das wie ein Schwalbennest in den Sandsteinfelsen gebaut ist, und die jungen Beduinen ritten auf ihren Eseln mit uns. Es ging bergab und dann bergauf. Endlich angekommen, durften wir eintreten. Zwei Hunde bewachten den Eingang des Klosters sowie eine Bewegungsmelderanlage. Ein griechisch-orthodoxes Kloster mit entsprechender Atmosphäre. Die Höhle, wo Elias lebte und von dem Raben gefüttert wurde, war in eine kleine Kapelle umgewandelt. Ein Beduine sollte uns danach auf einer außerplanmäßigen „Wüstenwanderung“ begleiten. Da dieser aber absagte, führte uns unser Reiseleiter. Diese Wanderung war wohl das Gefährlichste, was ich je in meinem Leben erlebt habe. Vielleicht ähnlich wie auf Sylt, als mein Pferd beim Strandreiten mit mir durchging und ich davon völlig überrumpelt wurde. Vielleicht empfindet man als Europäer auch die Situationen anders, für uns war es gefährlich, weil wir andere Sicherheitsstandards kennen und befolgen. Für die Beduinen ist dieser Gang nach Jericho über den Canyon sicherlich ganz normal.

Wir wurden im Vorfeld nicht gefragt: Seid ihr alle schwindelfrei, trittfest und habt ihr auch keine Höhenängste? Nein, wir gingen einfach los und wussten nicht, was auf uns zukommen sollte. Was ist unter einer Wüstenwanderung zu verstehen? Einen Weg durch eine Ebene im Sand zu marschieren, so dachte ich zumindest. Wir aber gingen einen schmalen, ungesicherten Pfad, zwei Fuß breit, ca. 2 Stunden am Rande eines steilen Canyons, so tief wie 10 Stockwerke. Der Übergang zu den gewaltigen Höhen war erst einmal nicht voraussehbar. Als man dann merkte, dass es immer höher geht, oder die Schlucht immer tiefer wird, war es auch schon zu spät, denn es gab kein Zurück mehr.

Der Pfad, den wir gingen, war so schmal, dass keiner an dem anderen vorbeigehen konnte. Es ging also nur noch vorwärts. Ich merkte, wie eine gewaltige Angst in mir aufstieg. Ich dachte, wenn ich jetzt hysterisch werde, ist alles vorbei. Ich fing an zu beten und habe innerlich zu Jesus geschrien: Ich brauche Deinen Schutz, siehst Du nicht meine Verzweiflung, meine Angst? Ich flehte ihn an: Herr Jesus, bitte führe mich und die ganze Gruppe, lass uns unversehrt nach Jericho gelangen, ich möchte doch mein Enkelkind, meinen Sohn und meine Schwiegertochter wiedersehen. Ich denke jetzt so beim Schreiben: Dieses Gefühl der Angst und der Ausweglosigkeit könnte so sein, wie in den letzten Stunden (Minuten, Sekunden) des Lebens. Auch da gibt es kein Entrinnen, kein Zurück, nur ein Vorwärts in die Ewigkeit, ins himmlische Jerusalem.

Ja, ich vertraute mich Jesus voll und ganz an. Ihm, dem alle Macht über Leben und Tod gegeben ist, Ihm gab ich mein Leben in seine Hände. Langsam spürte ich eine tranceähnliche Gelassenheit, ich ging vorwärts, still, achtsam Schritt für Schritt, den langen Weg und dachte nur an Jesus. Endlich sah ich Jericho, die Palmen, die Häuser, ich wurde immer glücklicher. Bald ging der Pfad in einen Weg über und die Hirten mit ihren Ziegenherden und Hunden waren zu sehen. Ich dankte Jesus für seine wunderbare, spürbare Nähe und seine Begleitung. Die Anspannung und Angst stand in allen Gesichtern geschrieben. Übrigens, vor mir ging Burghardt, der kurz nach unserer Israelreise, am Aschermittwoch 2011 in seiner Heimatstadt verstarb, auch er war von der Angst gezeichnet; total angespannt ging er während der Wanderung vor mir her. Ich war voller Sorge und dachte nur: Hoffentlich bleibt er ruhig, denn die Gefahr war groß, in die Schlucht zu stürzen. Was für ein Erlebnis, wie ausgeliefert waren wir. Ich weiß für mich, seit dieser Reise nach Israel, dass Jesus der auferstandene Sohn Gottes ist, der uns niemals im Stich lässt.

Als wir alle wieder im Bus saßen, fuhren wir nach Bethlehem in unser Hotel, um das Mittagessen einzunehmen. Während der Fahrt fing es an zu regnen. Hätte es schon während der Wanderung geregnet, hätten wir keine Chance gehabt, unversehrt nach Jericho zu gelangen, denn wenn der Felsen durch den Regen glitschig nass wird, hätten wir keine Trittsicherheit mehr auf dem schmalen, ungesicherten Pfad gehabt. Am Nachmittag fuhren wir bei heftigen Regen und Sturm zur Basilika mit der Geburtsgrotte von Bethlehem. Ich war ganz ergriffen, als ich den 14-zackigen Silberstern sah, der die Geburtsstätte Jesu anzeigt. Ich kniete mich nieder, an diesem Heiligen Ort.

Als wir einige Tage später wieder in Frankfurt landeten, hatte sich Entscheidendes in meinem Leben verändert: Während der Reise durch Israel war meine Mutter verstorben, nie mehr würde ich sie wiedersehen. Mein Glauben an Jesus Christus wurde gestärkt und gefestigt. Unendlich müde und geschafft von der Reise, aber sehr dankbar und überglücklich, ein großes Abenteuer bestanden zu haben, kehrte ich nach Hause zurück. Ich danke Gott für alles, was ich sehen und erleben durfte.

Karoline-Brigitte G.