Israel – Eine Geschichte, die nie endet

Am 16.3.1976 war ich für 10 Tage mit dem Würzburger Sonntagsblatt zusammen mit meiner Frau das erste Mal in Israel. Wir waren noch jung und so überwältigt von den Eindrücken auf der Reise, dass wir gar nicht zum Nachdenken kamen. Erst zu Hause waren wir wieder in der Lage nach und nach das Erlebte zu verarbeiten. Tief bewegt und berührt von der Anziehungskraft, die von den religiösen Stätten in Israel ausgeht, fassten wir den Entschluss bald noch einmal an den Ort zurückzukehren. 1993 war es dann soweit, am 24.10. trat ich die zweite 14-tägige Reise nach Israel an. Ziel war das Katharinen Kloster, der Sinai, das Rote Meer und Petra. Dieses Mal hatte ich mir fest vorgenommen in Jerusalem im Heiligen Grab eine Messe mit zu feiern. So sprach ich bereits in Frankfurt vor unserem Abflug nach Israel einen Palotiener Pater aus Brasilien, der sich unter den Mitpilgern befand und sehr gut deutsch sprach, an. Er erklärte sich sofort bereit die Messe im Heiligen Grab zu lesen. Einen Tag nachdem wir in Israel angekommen waren, erlebte ich eine Überraschung. Der Pater war mit seiner Freundin nach Israel gereist. Zuerst wusste ich nicht genau, wie ich damit umgehen sollte. Aber dann dachte ich mir, er ist ein geweihter Priester und für seine Situation ist er alleine Gott und seinem Gewissen verantwortlich. Wer bin ich, dass ich den ersten Stein werfe…

Als wir in Jerusalem waren, bestellt ich morgens um 5 Uhr ein Taxi, um mit dem Pallottiner Pater zur Grabeskirche aufzubrechen. Ehe ich mich versah, hatten 5 Mitpilger von unserem Plan erfahren und sich uns angeschlossen. Als wir an der Grabeskirche ankamen, sagte uns ein Franziskaner Pater, dass heute im Grab keine Möglichkeit bestünde die Messe zu lesen, da sie bereits vollständig belegt sei. Er bot uns aber an, in der großen Kirche nebenan die Messe zu feiern, wenn der Priester, der gerade die Eucharistie dort feiert, fertig sei. Die Kirche an einem solchen Ort miterleben zu dürfen, war für uns ein ergreifendes und tief spirituelles Erlebnis. Wir hatten das Gefühl Gott an einem solchen Ort noch näher zu sein. Als uns der Franziskaner Pater nach der Messe die Möglichkeit offerierte am folgenden Tag um 5 Uhr in der Grabeskirche eine Messe abzuhalten, sagten wir alle spontan zu.

Am nächsten Tag traute ich meinen Augen kaum. Es standen schon 8 Personen da und fertig zur Abreise, so dass wir 2 Taxen bestellen mussten. Unsere Erlebnisse des Vortages hatten sich wohl schnell herumgesprochen. Als wir in der Grabeskirche angekommen waren, konnte ich erleben, welche Kraft von einem solchen Ort ausgeht und wie unterschiedlich wir Menschen darauf reagieren. Die einen weinten, anderen war die tiefe Ergriffenheit anzusehen, wieder andere wurden ganz still und man sah, dass ihnen vieles durch den Kopf ging und wieder andere erschienen mir, als ruhten sie in sich selbst. Für alle war es ein tiefes Erlebnis. Für jeden auf seine Art. Etwas was ich bis heute nie vergessen habe.

Als wir am Nachmittag nochmals mit der ganzen Pilgergruppe in der Grabeskirche waren und viele im Nachgang auf die Via Dolorosa zu den Ständen wollten, um das ein oder andere Andenken zu erwerben, zog es mich wieder in die Kirche zurück. Am Eingang sagte ich zu Jesus: „Führ Du mich mal.“ In dem Moment hörte ich aus dem Inneren aus einer Ecke die Franziskaner beim Komplet. Es zog mich zu ihnen und ich betete mit ihnen. Am Ende des Gebetes stand der Pater auf und segnete uns alle mit dem Allerheiligsten, dessen Anwesenheit ich zu Beginn gar nicht bemerkt hatte. Beim Segen erkannte ich seine Führung. Und ich spürte wo er mich haben wollte. Da sagte ich leise zu Ihm:

„Ich will nicht unverschämt sein, aber wenn Du es mir ermöglichen willst, würde ich gerne noch einmal – ein 3. Mal – nach Israel kommen.“

Später traf ich den Pallottiner Pater wieder und er sagte zu mir: „Wenn ich Dich nicht getroffen hätte, hätte ich das alles nicht erlebt.“ Ich sagte zu ihm: „Deine Weihe ist wie ein Brandzeichen auf Deiner Seele, das kannst Du nicht löschen. Wenn Du es ignorierst, dann wirst Du nicht glücklicher. Dass ich mit Dir das erleben durfte, ist nicht mein Tun, sondern das meiner Frau. Sie hat den Priesterberuf sehr geschätzt und auch dafür gelitten. Sie starb vor 3 Jahren“. Da wollte er ihr Sterbebild für sein Previer.

Ich habe heute noch Kontakt zu ihm in Brasilien. Er ist ein toller Mensch und ich bin froh ihn kennengelernt zu haben.

Im nächsten Jahr ist eine 8-Tages-Reise nach Israel im Sudiosus angeboten. Vom 18. bis 25. Oktober. Und so Gott will, werde ich dabei sein und um 5 Uhr morgens am 23.10.2014 an meinem 80. Geburtstag an der Grabeskirche ihm ganz nah sein. Das wird für mich das Größte an diesem Tag sein.

Ich bin für mich heute in meinem Leben dort angelangt, wo man anfängt Ihn zu lieben.

Der christliche Glaube wird erst schön, wenn man anfängt ihn zu lieben.

Hubert R.