Israel – Land der Verheißung

Auf den Spuren des Moses unternahmen mein Mann und ich 1992 eine Studienreise, die uns von Ägypten nach Israel, ins Gelobte Land, führen sollte. Sinnvollerweise erlebten wir natürlich auch einige der vielen Facetten Ägyptens, doch war es uns immer klar, dass dies nur eine Station war auf dem Weg nach Israel. Noch deutlicher wurde dies, als wir den geschützten Raum unseres Busses verließen und in Jeeps umstiegen, die uns durch den Sinai fuhren, verglichen mit den Bedingungen der Israeliten ein angenehmer Weg der Wüstendurchquerung. Wir waren völlig abhängig von den Beduinen, die uns Fahrer, Führer, Gastgeber und Koch waren. Wir konnten mitten im Sinai frische Nahrungsmittel genießen. Unter freiem Himmel verbrachten wir dick vermummt im Schlafsack im „Hotel Tausendstern“ die eiskalte Wüstennacht, wir wanderten durch die Steinwüste und hielten Gottesdienst in karger Landschaft, welche alle Erfahrungen auf Wesentliches konzentrierte.

Auf dem Weg zum Übernachtungsziel Katharinenkloster durchpflügten unsere Jeeps fast unpassierbare Straßen. Wir überheblichen Mitteleuropäer vermuteten, dass diese einfachen Menschen wohl nicht imstande wären, vernünftige Straßen zu bauen! Trotz ultrakurzer Nachtruhe wegen der späten Ankunft brachen wir mitten in der Nacht bei Schnee, Glätte und Eiseskälte auf, um den Gottesberg Horeb zu besteigen. Wie muss es Mose zumute gewesen sein? Wir jedenfalls wurden mit einem unvergleichlichen Sonnenaufgang belohnt. Auch die Eliagrotte in der Ferne und der Brennende Dornbusch im Klostergelände erinnerten uns daran, dass wir auf biblischem Boden weilten.

Es stellte sich heraus, dass die schlechte Qualität der Straßen auf den sehr seltenen heftigen Wintereinbruch zurückzuführen war. Wir waren beschämt.

Jenseits der Grenze, die wir nach strengsten Sicherheitskontrollen nun wieder bequem im Bus passierten, ließ uns die Wüste nicht los; wir durchwanderten das Wadi Zim und fanden dort eine Quelle, an der vielleicht schon Mose mit den Israeliten gelagert hatte . Gleichwohl gab es jetzt immer wieder willkommene Unterbrechungen wie das Tote Meer oder Masada, die beeindruckende Stätte des Widerstandes tapferer Israeliten gegen die römische Übermacht.

Und dann erlebten wir, was mir bis heute unvergesslich geblieben ist und weswegen mir persönlich Israel als das Land der Verheißung gilt.

Wie schon erwähnt, war jener Winter für die Region ungewöhnlich schneereich gewesen. Daher waren ja auch die Straßen zum Katharinenkloster so schlecht gewesen.

Die starken Niederschläge ließen in der Wüste in der Nähe von Qumran am Toten Meer alle vorhandenen und bislang verborgen gebliebenen Blumensamen keimen und blühen. Wir erlebten das Wunder, dass die Wüste lebt! Eine kaum vorstellbare Fülle an Blütenformen und Farben ergötzte unser Auge. Die Fotografen lagen auf dem Boden und knipsten, was der Film hergab. Auch unserem Führer verschlug es fast die Sprache. „Schon so viele Jahre komme ich jetzt hierher, aber das habe ich noch nie erlebt und auch nicht für möglich gehalten“, meinte er.

Ohne Jerusalem wäre Israel nicht vorstellbar! Und so führte unser Weg natürlich auch hinauf zu den heiligen Stätten der Christenheit, der Juden und der Muslime. Die vielfältigen Eindrücke der Orte, wo Jesus gelebt hat und gestorben ist, lassen sich mit wenigen Worten nicht wiedergeben. Ich möchte diese Eindrücke auch nochmal erleben, ebenso wie die Stätten am Jordan, wohin unser Weg nicht führte. Diese Orte bleiben wohl für alle Zeit wesentlich für unseren Glauben.

Doch mit Sicherheit kann man so ein Erlebnis wie die blühende Wüste nicht planen und wahrscheinlich auch nicht mehr erleben. Jedes Jahr im Advent, wenn wir im Lied „Kündet allen in der Not“ die Strophe singen: „Aus Gestein und Wüstensand werden frische Wasser fließen, Quellen tränken dürres Land, überreich die Saaten sprießen“, steht mir das Bild der Farben- und Formenvielfalt der blühenden Wüste in Israel vor Augen. Die Verheißung ist sichtbar und wahr!

Edeltraud D.