Jerusalem, du Schöne

1978 – Pfarreireise in Heilige Land!

Gibt es ein Heiliges Land? – den Begriff lehnte ich ab. Aus Neugierde meldete ich mich an. Im Oktober ging der Flug ab Frankfurt mit der EL-AL. Im Flugzeug hieß es warten, warten, der Flug war verschoben worden. Warum, blieb ein Geheimnis. Ich kam mit einer Israelin ins Gespräch, sie sagte mir: „Sie werden sich in mein Land und die Stadt Jerusalem verlieben.“ So wurde es.

Die vielen jüdischen Fluggäste erfreuten uns mit ihrer Begeisterung und ihren Liedern. Dazu die untergehende Sonne über den Wolken! Staunend und voller Erwartung landeten wir in Tel Aviv. Mit einem Bus fuhren wir nach Jerusalem. Wir waren wie verwandelt in einem geheimnisvollen Land.

Lauda Jerusalem Dominum – lauda Deum tuum Sion-, fingen wir im Bus an zu singen, hosianna filio David.

In den nächsten Tagen lernten wir alle heiligen Stätten kennen. Ein jüdischer, ein arabischer und ein christlicher Guide machten uns mit ihnen vertraut. Wir staunten, dass diese Religionen so viel Gemeinsames haben. Beeindruckend die Chagall-Fenster, der Felsendom, die Via Dolorosa mit der Grabeskirche, der Ölberg mit seinen alten Olivenbäumen, die jüdischen Grabfelder am Goldenen Tor, das Jerusalem Modell, Massada, Qumrang und die vielen Wirkungsstätten Jesus. Die Eindrücke waren überwältigend. Dann der See Genezareth, Tabgha und der Kibuzin NofGinosar – hier erlebte ich Stille und Frieden am See, in den frühen Morgenstunden beim Sonnenaufgang und am Abend die wunderbaren Sonnenuntergänge, die Fischer mit ihren Booten auf dem See, die Wanderungen durch die Bananen- und Orangenplantagen. Weiter zum Golan und den Drusendörfern. Geheimnisvoll überall.

Komm Herr, dass wir dich sehen – du bist uns hier überall nah.                            

Es folgten noch weitere Reisen in dieses einmalige Heilige Land. Mich haben die Begegnungen mit Menschen fasziniert. Gott kommt durch Begegnung. In der Wüste habe ich eine Beduinenfrau in ihrem Steinhaus aufgesucht. Sie sortierte Erbsen und freute sich als sie mich sah. Sie nahm einen Tonkrug, tat eine Handvoll Erbsen hinein und schenkte ihn mir mit vielen Worten und Gesten, die ich leider nicht verstand. Am Fuß des Herodions saßen zwei Kinder- Bruder und Schwester- und hüteten Schafe. Ich setzte mich zu ihnen. Das kleine Mädchen schaute fasziniert auf meine Ohrringe. Ich zog sie aus, nahm aus ihren Ohrläppchen kleine Stöckchen und zog ihr meine Ohrringe an. Die Freude des Kindes war überwältigend, werde ich nie vergessen. Da war der Besuch in einer jüdischen Familie. Der Mann war an diesem Tag aus der Klinik entlassen worden. Er erzählte, dass ihm ein Geschoss von Deutschen aus seinem Bein entfernt worden ist. Da war die Begegnung mit Sumaja Nasa in Bethlehem im Kinderhospital, nicht zu vergessen die Geburtskirche und die Hirtenfelder.

Erwähnenswert das Leben mit den Benediktinern auf dem Berg Zion in Dormitio, mit denen wir Gebetszeiten und Gottesdienst feierten. Was ganz Besonderes war der Pfingstgottesdienst mit dem Patriarchen von Jerusalem. Am Ende unserer Reise hielten wir mit Abt Benedikt eine Reflektion – ich meinte: „Dormitio in Jerusalem ist für mich wie „nachhause kommen“.

Mittlerweile machte ich schon einige Reisen mit dem Freundeskreis der Benediktiner. Sie waren alle intensiv und unvergessen. Bei meiner letzten Reise habe ich unserem Freund Pater Bargil einen von mir aus Ton modellierten Freundeskreis auf‘s Grab gestellt. Gott kommt durch Begegnung und wer glaubt darf sich auf Begegnung einstellen.

„Nächstes Jahr in Jerusalem“

Ursula N.