Land der Gegensätze

Meine dritte Israelreise im Oktober 2009 war eine ganz besondere. Denn im Gegensatz zu den beiden vorangegangen Reisen, war dies keine Pauschalreise, sondern ich hatte sie selbst geplant und organisiert. Der Grund der Reise war ein gemeinsamer Urlaub mit einem Freund, der damals ein freiwilliges soziales Jahr im Aylin Krankenhaus in Jerusalem absolvierte. Hier werden Patienten mit Muskellähmung behandelt und betreut. Wir waren in einer kleinen Gästewohnung der Organisation Hagoshrim mitten in einem typisch jüdischen Wohngebiet untergebracht. Die Fahrt mit dem Sherut von Tel Aviv nach Jerusalem klappte problemlos. Es genügt, dem Fahrer einen Zettel mit der Zieladresse zu reichen und so stellt er seine Route zusammen. Bereits auf der Fahrt sah ich überall Hütten, die mit Palmzweigen bedeckt waren. Diese gab es in den verschiedensten Größen, Farben und Ausstattungen. Und man sah sie an den verschiedensten Orten. Sie waren im Innenhof, auf dem Parkplatz und auf dem Balkon zu finden. Mir war klar, dass es sich um Sukkot, das Laubhüttenfest handelte, eines der drei großen Wallfahrtsfeste der Bibel, das heute immer noch sieben Tage lang gefeiert wird.

Nachdem ich die Wohnung inspiziert  und die schöne Aussicht vom Balkon genossen hatte, machte ich mich auf den Weg, um die Gegend zu erkunden, denn es sollte noch ein paar Stunden dauern bis auch mein Freund Feierabend hatte und zu mir stoßen konnte. In der Nähe war ein Supermarkt, und so beschloss ich den ersten Einkauf in Israel zu tätigen. Einen Wachmann am Eingang  des Ladens anzutreffen war für mich nichts Neues, denn dieses Sicherheitspersonal kannte ich von meinen anderen Reisen, und so öffnete ich ihm bereitwillig meine Tasche. In den folgenden Tagen, war dies nicht mehr notwendig, denn er kannte mich bereits und stufte mich als ungefährlichen Einkäufer ein.

Als ich meine Einkäufe in der Wohnung verstaut hatte, setzte ich  meine Erkundungstour im Viertel fort. Ich folgte der Musik  die ich hörte und so kam ich zu einem Platz, an dem ein buntes Treiben herrschte. Männer, Frauen und Kinder tanzten getrennt in Gruppen fröhliche Volkstänze oder unterhielten sich und aßen. Ich beobachtete das Fest aus einiger Entfernung, machte einige Fotos und erfreute mich an der ausgelassenen Stimmung. Nachdem ich eine Weile dort gestanden war, kam ein Mann auf mich zu und zog mich freundlich in ihren Kreis und forderte mich auf, mitzutanzen. Nun, was vorher so leicht und locker aussah, stellte sich als gar nicht so einfach heraus. Doch ich versuchte die Mittänzer nachzuahmen und mich dem Takt und den Schritten anzupassen. Ich war erst wenige Stunden im Lande und schon befand ich mich mitten im jüdischen Leben. Ich tanzte fröhlich mit gut gelaunten Menschen, die ich nicht kannte und deren Sprache ich nicht verstand.

Das Highlight dieser Reise hatte ich wenige Tage später. Zwei der Patienten des oben erwähnten Krankenhauses hatten Karten für sich und zwei Begleiter für ein Open Air Konzert in der Nähe des Jaffa Tores. Mit einem speziellen Krankentransport (die Patienten waren im Rollstuhl) wurden wir zum Konzert gefahren. Es dauerte eine Weile bis wir zu einem behindertengerechten Eingang gelangten. Die Ordner und Sicherheitsleute waren sehr bemüht um uns und hilfsbereit. Schließlich durften wir direkt vor die Bühne, in den für Presse und Security abgesperrten Bereich. Wow, was für ein Konzert. Israelische Popgrößen wie beispielsweise Sarit Hadat befanden sich zum Anfassen nahe vor uns. Hinter uns standen einige Tausend Besucher, die mit uns bis in den späten Herbstabend die Musik, die Tänze und die Lichtshow genossen. Die Stimmung war herrlich. Wir waren uns alle einig:  Es war ein unvergessliches Konzerterlebnis, an das wir uns noch oft und gerne erinnern würden.

Ich könnte noch von vielen schönen Erlebnissen, einmaligen Orten und interessanten Begegnungen auf dieser und auf anderen Reisen erzählen, aber noch besser ist es selbst dorthin zu reisen und dieses Land der Bibel, dieses Land der Gegensätze kennenzulernen und zu erleben.

Martin F.