Man trifft sich in Jerusalem

Wir sind ein Ehepaar aus Ötisheim, eine Gemeinde im Enzkreis in Baden-Württemberg gelegen, etwa 8 Kilometer vom Weltkulturerbe Maulbronn entfernt und 6 Kilometer von der Senderstadt Mühlacker. Im lokalen Dialekt auch als „Aize“ bekannt und auch so benannt.

Ende der 50er Jahre traf sich eine christliche Jugendkreisgruppe in der freien Zeit zu Wanderungen und Spaziergängen. In dieser Zeit, gesellte sich auch ein junger Mann, mit Namen Günther zu uns, der für ein Jahr als Volontär bei der hiesigen Eisengießerei und Maschinenfabrik Hilu beschäftigt war. Als von der Stadt kommend, war er selbst bei Wanderungen, stets mit Anzug und Krawatte, korrekt bekleidet. Günther war ein ganz feiner Mensch und fühlte sich bei uns sichtlich wohl. Es war eine schöne Zeit miteinander. Sein Volontariat ging zu Ende und durch seinen weiteren Bildungsweg, verloren wir ihn aus den Augen. Alles Nachforschen in den folgenden Jahren hatte keinen Erfolg, Günther war wie vom Erdboden verschwunden.

Die Jahre vergingen, wir heirateten, bekamen Kinder und Enkel. Israel war für uns kein fremdes Land, ist es doch die Wurzel unseres christlichen Glaubens, eine Bestätigung aller unserer Israel-Reisen. So haben wir auch Freunde dort in Israel. Unsere älteste Tochter absolvierte einen Freiwilligen-Dienst in einem Kibbuz am See Genezareth. Dort lernte sie auch ihren späteren Mann Jlan kennen und lieben, er wurde eine große Bereicherung unserer Familie. Beide wählten als Wohnsitz Deutschland, unsere Familie erweiterte sich um zwei tolle Enkel.

Im Juni 2004, stand die Bar Mizwa unseres ältesten Enkels Benjamin an, die wir zusammen mit Jlans Familie in Jerusalem miteinander erleben wollten. Wir beide wählten für Übernachtung und Abendessen das Hotel Jerusalem Tower, ein Turmhotel nahe an der Altstadt gelegen, mit phantastischem Ausblick. Es ist ein Durchgangshotel für Reisegruppen aus allen Ländern. Am ersten Abend im Speisesaal, wir saßen an unserem reservierten Tisch, trafen die ersten Gruppen ein. Zuerst welche aus England, dann Japaner, koptische Christen aus Griechenland und eine Gruppe aus Deutschland.

Bei ihrem Erlebnis-Austausch hörten wir an ihrem Dialekt, dass auch sie aus Schwaben kommen. Bei unserer Nachfrage, aus welcher Gegend sie stammen, war die Auskunft: aus Stuttgart und Umgebung. Einer, grauhaarig, in gesetztem Alter, fragt: „Ja wo kommt ihr denn her?“ Unsere Antwort darauf: „In der Nähe der Senderstadt Mühlacker.“ Darauf der Fragesteller: „ ‚Aize‘ kenne ich, dort habe ich ein Jahr bei der Firma Hilu gearbeitet.“ „Günther…“, – das war das einzige Wort, das wir sagen konnten und nach 43 Jahren lagen wir uns in den Armen. Lange haben wir uns in dieser Nacht miteinander ausgetauscht, denn es war der letzte Abend der Gruppe in Israel. Wieder zu Hause blieb unser Kontakt zueinander bestehen.

Im Anschluss feierten wir eine wunderschöne Bar Mizwa, auch Jerusalem zu Fuß, das muss man erlebt haben. Dieses war unter anderen der Höhepunkt unserer Israel Erlebnisse.

Fazit: Man trifft sich in Jerusalem – also, nächstes Jahr in Jerusalem.

Doris und Walter T.