Meine Pilgerreise nach Jerusalem!

Am 5. Juni 2012 war es soweit. Ich machte mich zu Fuß auf den Weg nach Jerusalem. Von der Benediktinerabtei in Plankstetten in der Oberpfalz (Bayern) ging es durch zehn Länder (Deutschland, Österreich, Ungarn, Serbien, Kosovo, Mazedonien, Griechenland, Türkei, Zypern, Israel) in die Heilige Stadt Jerusalem. Von meinem damaligen Wohnort, Birkach im Kreis Haßberge (Unterfranken/Bayern) bis in die Oberpfalz war ich schon in verschiedenen Etappen von 2007-2009 gelaufen. Was als einfache Wanderung begann, wurde durch meinen Entschluss nach Jerusalem zu Fuß zu gehen, eine Pilgerreise, mit vielen tollen Begegnungen und Erlebnissen in verschiedenen Ländern.

Warum ausgerechnet Jerusalem? In meiner damaligen Heimatstadt, im Marienwallfahrtsort Werl in Westfalen, war ich Ministrant bei den Franziskanern. Schon damals hörte ich viel über das Heilige Land und interessiere mich somit seit meiner Jugend für Israel und seine Geschichte.

Einmal an den Orten zu stehen wo Jesus gewirkt hatte und die drei monotheistischen Weltreligionen ihren Ursprung haben, war ein großer Wunsch von mir.

Vieles gab es zu klären. Wie viel Gepäck und welche Kleidung war nötig? Einen Rucksack mit nur wenig Kleidung zum Wechseln, leichte Wanderschuhe, einen Schlafsack und ein Zelt. Der Rucksack wog zwischen 14 und 18 kg, da ich an den heißen Tagen (Temperaturen bis 43 Grad), die mich über weite Strecken meiner Reise begleiteten, bis zu 4 Liter Wasser mitführte.

Gab es immer etwas zu essen und zu trinken? Dafür war immer ausreichend gesorgt. Gab es doch ab Ungarn und in den folgenden Ländern noch in jedem Dorf ein bis zwei kleine Einkaufsläden. Dort konnte man sich immer mit dem Nötigsten eindecken oder es wurden mir von Menschen, denen ich auf meinem Weg begegnete, oftmals Essen und Trinken geschenkt. Das ich nie ablehnte, da es für viele sonst eine Beleidigung gewesen wäre.

Wo konnte ich schlafen? War das doch neben der Besorgung von Lebensmitteln während der Planungsphase meine größte Sorge. Vom Zelten in Wäldern und Wiesen über Einladungen in Privatwohnungen, Pfarrhäusern, Klöstern, Gästezimmern neben Moscheen und selbst in einem Gebetsraum einer kleinen Moschee bis hin zu Pensionen war dann jede Nacht für alles gesorgt.

Wie werden mir die Menschen auf dem Weg begegnen? Auch da habe ich nur gute Erfahrungen gemacht. Die Menschen in den verschiedenen Ländern waren immer hilfsbereit und es gab keine Grenzen zwischen Konfessionen, Religions- oder Staatszugehörigkeit. Ich konnte feststellen, dass die Menschen dort wo sie am ärmsten waren, dass Wenige, das sie hatten, noch mit mir teilten. Für sie wäre eine Ablehnung eine schreckliche Beleidigung gewesen. Bleibende positive Erinnerungen habe ich gesammelt im Kontakt zu den Menschen.

Welcher Route sollte ich folgen? Eine Feste Route nach Jerusalem gab es nicht. Den Weg nach Jerusalem musste ich mir schon selber suchen. So entschied ich mich für die oben genannten Länder. Natürlich gab es Lektüre über andere Pilger aus den Jahren zuvor, doch hatten sich seit dem so einige politische Neuerungen ergeben.

Von Plankstetten ging es dann los. Über Regensburg, folgte ich der Strecke Kaiser Barbarossas und somit dem dritten Kreuzzug. Mehr zufällig, da auch ich mir die Donau als Wegweiser über Passau, Wien, Budapest bis Belgrad ausgesucht hatte. Dann ging es über den Serbischen-Klosterweg, mit seinen orthodoxen Klöstern aus dem 13.-17. Jahrhundert weiter am Ibarfluss entlang durch die leider immer noch zwischen Serben und Albanern geteilte Stadt Mitrovica im Kosovo. In Skopje/Mazedonien, der Geburtsstadt Mutter Theresas, steht an der Stelle, wo einst die katholische Kirche stand, ein Haus zum Gedenken an diese besondere Frau. In Griechenland stoße ich dann auf die Spuren von Paulus. In Kavala erreichte ich das Mittelmeer und somit die antiken Orte Neapolis und Philippi. Von dort ging es fast immer am Meer entlang. Über Alexandroupoli, vorbei an der Via Egnatia, einst die bedeutendste antike Straßenverbindung zwischen Rom und Konstantinopel, erreichte ich die Türkei. Mit der Fähre setzte ich von Gelibolu aus über die Dardanellen von Europa nach Asien über. Antike Stätten wie Troja,  Alexandria Troja, Assos, wo einst schon Aristoteles verweilte, Pergamon, Izmir, die größte Stadt mit 3,55 Millionen Einwohnern auf der Reise und Ephesos, Wirkungsstätte des Apostels Johannes, lagen auf meiner Pilgerroute. Von Ephesos aus führte die Reise mich wieder etwas weiter ins Festland durch die Ausläufer des Taurusgebirges, wo ich dem hereinbrechenden Herbst und den damit verbundenen kalten Temperaturen auf 1550 Höhenmetern gerade noch entkam, bis nach Antalya.

In Antalya traf ich dann auf die beiden Pilger Anke und Matthias aus Thüringen, die sich ebenfalls zu Fuß auf den Weg nach Jerusalem gemacht hatten. Wir beschlossen, uns eine Zeit lang zusammen auf den Weg zu machen. Zu dem Zeitpunkt war uns noch nicht klar, dass wir gemeinsam bis Jerusalem laufen würden.

Es ging an der wunderschöne Küste im Süden der Türkei weiter über Alanya nach Tasucu. Von dort nahmen wir die Fähre nach Girne auf Nordzypern. Hier betraten wir dann zum ersten Mal, laut der lateinischen Kirche das Heilige Land, da Zypern zur Kustodie des Heiligen Landes gehört. Dann von dort über Nikosia bis nach Limassol im Süden der Insel. Seit dem Beginn der Intifada 2000 war es schwierig mit einer Fähre nach Israel zu gelangen. Der Fährverkehr wurde mehr und mehr eingestellt, und so blieb uns nur der Flug nach Tel Aviv. Von dort mit dem Zug nach Akko, von wo wir unsere Pilgerreise zu Fuß in Israel beginnen wollten. Nazareth in Galiläa war unser nächstes Ziel. Von dort ging es weiter ins Jordantal, durch Samarien bis Jericho.

Jetzt stand der letzte Pilgertag bevor, und es ging hinauf nach Jerusalem auf den Ölberg.

Ein bewegender Moment für uns Drei, als wir am nächsten Tag, den 12.12.2012, bei blauem Himmel und strahlendem Sonnenschein auf die Altstadt von Jerusalem blickten. Nach ca. 3750 km erreichte ich die Altstadt von Jerusalem zusammen mit Anke und Matthias. Vom Ölberg aus gingen wir durch das Löwentor bis zur Via Dolorosa. Wir folgten dem Leidensweg Christi bis zur Grabeskirche, dem Ziel meiner/unserer sechsmonatigen Pilgerreise.

Stefan B.