Menschliche Begegnungen

Arabische Gastfreundschaft

Im Jahr 2003 besuchte ich mit acht weiteren Teilnehmern im Rahmen einer 7-tägigen Reise Israel.

Gemeinsam besuchte die Reisegruppe an einem Samstag den arabischen Teil des Suks. Der Not gehorchend fragte ich den Reiseleiter nach einer Toilette. Er verwies mich auf einen schmalen Eingang. Die Frauen in ihren traditionellen langen Kleidern und Kopftüchern standen bis auf die Straße. Also stellte ich mich – in Shorts und Sonnentop – hinten an. Es war knallheiß. Die Kommunikation bestand aus Kopfnicken und freundlichem Lächeln auf beiden Seiten. Ich spreche kein arabisch – die Frauen wohl kein Englisch oder gar Deutsch.

Langsam rückte die Reihe vor. Als ich meinem Ziel näher kam, sah ich, dass die Frauen am Handwaschbecken immer wieder eine kleine Blumengießkanne füllten und in Richtung Toilette weiterreichten. Und allmählich ging mir auch der Sinn der Aktion auf: die Toilettenspülung war kaputt und jede Frau musste nach Benutzung der Toilette mithilfe des Blumengießers nachspülen. Als ich an der Reihe war und die Toilette wieder verließ, griff ich auch nach der Gießkanne. Aber mit bestimmten Gesten und einem freundlichen Lächeln bedeutete man mir, dass man für mich nachspülen würde. Die Umstände waren den Frauen etwas peinlich. Sie betrachteten mich als Gast und verrichteten diese eher unangenehme Arbeit für mich. Es blieb mir nur, mich mit Lächeln und Kopfnicken zu bedanken. Ich war gerührt.

 

Die geklauten Shorts

An einem heißen Morgen stand „Baden im toten Meer“ auf dem Plan. Es gab eine Sammelumkleide für Frauen (und wohl eine zweite für Männer). Die Damenumkleide war belagert von einer Gruppe junger Mädchen, so etwa 15 Jahre alt. Sie schnatterten und kicherten hebräisch oder arabisch – wie eben alle jungen Mädchen auf der Welt. Meine Reisekameradin, die einzige weibliche Reiseteilnehmerin außer mir, flüchtete in die Toilette und zog sich dort um. Ich mischte mich unter die Mädchen, zog mich um und legte meine Kleider auf die Ablage. Alle genossen das Bad.

Nach der Rückkehr waren die Mädchen verschwunden. Aber leider musste ich feststellen, dass meine Shorts auch verschwunden waren. Die Reisekameradin sah sich bestätigt. Sie hatte die Tageskleidung in ihrer Tasche mitgenommen und konnte sie natürlich anziehen. Ich musste an meinen Koffer im Bus. Umgürtet mit einem Handtuch machte ich mich auf die Suche nach Reiseleiter oder Busfahrer. Noch bevor ich einen von beiden ausfindig machen konnte, kamen zwei Mädchen des Weges, und eine hielt meine Shorts in die Höhe und schwenkte sie hin und her um auf sich aufmerksam zu machen. Als ich Interesse an dem Kleidungsstück zeigte, händigte sie mir meine Shorts mit Entschuldigungsworten und Gesten des Bedauerns aus. Sie hatte sie sicher aus Versehen eingepackt. Lachend nahm ich meine Beinkleider entgegen und versicherte auf Englisch, dass es keine Probleme mehr gäbe. Es herrschten Erleichterung und menschliches Verständnis auf beiden Seiten.

Gerda H.