Persönliche Erlebnisse

1955 geboren, wurde ich 1969 konfirmiert. In den Osterferien durfte ich mit meinem Vater eine Schiffsreise der ortsansässigen Volkshochschule mitmachen, die u. a. nach Israel führte. Wir legten im Hafen von Haifa an und erkundeten von dort aus an einem Tag Jerusalem und den Süden des Landes, am nächsten Galiläa, den Norden.
Zuerst war ich unendlich traurig, da mir in der Nacht aus der Kabine meine kleine Kodak Instamatic gestohlen worden war, aber die Faszination des Landes, in dem sich so viele biblische Geschichten ereignet hatten, überwog schließlich, und ich war beeindruckt und in den Bann gezogen.
Hatte doch der Dekan, der mich konfirmierte, meinen Eltern bei seinem Besuch erzählt, dass er in mir einen künftigen Theologiestudenten und Pfarrer sehen würde. Er habe keine Kinder und könnte mir viele Bücher vererben! Dieser Gedanke ließ mich nicht mehr los. Für mich war dieser Hinweis eine Berufung! Und jetzt im Heiligen Land! Ich nahm mir vor, mir möglichst viele Informationen zu merken, Eindrücke zu sammeln, mein Wissen zu erweitern, meinen Glauben stärken zu lassen und „christlich“ zu leben!
Es kam manches anders als erwartet, z. B. dass ich in der 9. Klasse des Gymnasiums nicht Griechisch als 3. Fremdsprache wählte, sondern Französisch, wo ich bessere Noten erhielt als beispielsweise in Latein. In der 11. Klasse verliebte ich mich in meine heutige Frau (Hochzeit 1981). Nach dem Abitur ging ich, weil ich mir in Bezug auf das Studium nicht mehr so sicher war, zur Bundeswehr (Wehrpflicht). Da las ich viel (Billy Graham u. a.) zu theologischen Themen. In der schichtfreien Zeit erkundigte ich mich in München und Erlangen nach den Studienbedingungen.
Schließlich studierte ich Ev. Religionslehre und Französisch für das Lehramt an Gymnasien. Nach dem 2. Examen 1983 erhielt ich jedoch nicht sofort eine Anstellung (Planstelle beim Staat). Ich vertrat Schwangere und machte mit meiner Frau -sparsam- Reisen in den Ferien. In den Weihnachtsferien 1985/86 waren wir zusammen mit dem „Rollenden Hotel“ in Israel. Von den Jordanquellen bis Eilat erkundeten wir mit einem sehr beschlagenen Reiseleiter das Land. Nablus umfuhren wir, da das Risiko zu groß war. Zwei Fotoapparate hatte ich dabei, immer die Bibel auf dem Schoß. Ständig dachte ich an den Unterricht und Material, das ich im Beruf verwenden könnte.
1987 hielt ich meinen ersten „richtigen“ Gottesdienst (vorher: Schulgottesdienste), 1993 wurde ich offiziell als Prädikant eingeführt. Inzwischen war ich fester Lehrer am Gymnasium Dinkelsbühl geworden. Bei jeder Religionsstunde, bei jeder Gottesdienstvorbereitung dachte ich an das Erlebte und Gesehene in Israel.
Politisch hörte man immer wieder viel Kritik an den Verantwortlichen im Nahen Osten; doch bei jeder Gewaltanwendung, bei allen mit verfolgten Nahostkriegen stand meine Familie auf der Seite der Israelis. Mutige Pioniere, auch weibliche Soldaten (die man im Land persönlich sprechen konnte und sehr sympathisch fand), Helden an der Front (Moshe Dajan). Film und Buch „Exodus“ mussten unter die Jugend gebracht werden!
2010 nahm ich -meine 3. Reise!- an einer Fortbildung in Yad Vashem (School for Holocaust Studies) teil, zusammen mit Pfarrern und Lehrern aus dem süddeutschen Raum. Einerseits die Begegnung mit Zeitzeugen u. a. dort, andererseits die Übernachtung in einem modernen Hotel (Sabbat-Lift!) und private Streifzüge durch Jerusalem! Die Liebe zu Land und Leuten wurde immer mehr verstärkt!
Wir wohnten auch in einem Kibbuz im Norden, da die Fortbildungs-Reise mit einem touristischen Teil verquickt war.
Ostern 2013 nun war ich mit meiner Frau zum 4. Mal in Israel (sie zum 2. Mal). Ganz privat wohnten wir eine Woche im Österreichischen Hospiz (nach El-Al-Flug), direkt an der Via Dolorosa. Passah fiel heuer ja mit der Karwoche zusammen. Diese Massen an orthodoxen Juden, die rund um die Uhr zur Klagemauer „rasten“! Daneben der Muezzin-Ruf zum Gebet für die Moslems. Karfreitags-Gottesdienst in der Erlöserkirche (ev.-luth., deutsch). Alles friedlich! Alles anders, als z. T. in der Presse zuhause geschildert!
Interessant waren die Gespräche mit den Taxifahrern! Der Israeli ließ nicht mit sich handeln, schimpfte auf den Verkehr, war zuverlässig und hilfsbereit (einer erinnerte äußerlich an den armen Ariel Sharon, der noch immer im Koma liegt!). Der Palästinenser wollte ständig handeln, fast aufdringlich, hatte anscheinend eine Riesen-Verwandtschaft allerorts mit Andenken-Läden usw.
In der Fußgängerzone/Ladenpassage beim Damaskus-Tor wurde zu französischen Chansons getanzt. Keinerlei Magen-Probleme bei Speisen und Getränken! Tel Aviv: Bad im Mittelmeer wie in Europa!
Shalom, Israel! Wir kommen wieder! Gott erhalte deine Souveränität und gewähre ein friedliches Zusammenleben aller auf diesem schönen Fleckchen Erde! Danke, dass ich das alles erleben durfte!

Klaus B.