Sieben Tage Israel

Israel, gelobtes Land. Auf dem Flughafen in Deutschland stehen maschinengewehrbewaffnete Posten und ein Panzerwagen begleitet das Flugzeug bis aufs Rollfeld. Was erwartet uns? Anschläge, Unruhen und ein vor Militär strotzendes Land? Und dann diese deutsche Vergangenheit!

Am späten Abend laufen wir in die Altstadt von Jerusalem, es ist dunkel, keine Menschen, man hatte uns gewarnt. Heilige Stadt, Mittelpunkt der Welt, der einstudierte Stadtplan wird Angesichts der verwinkelten Gassen zu Makulatur. Wir finden die Grabeskirche und stehen allein im Grab Christi, die Kirche ist leer, wie unsere Gedanken. Der Schließer weckt uns, der weitere Weg führt zur hell beleuchteten Klagemauer und durch das Ziontor zum schon verschlossenen Grab Davids und dem Abendmahlssaal. O Zion, heiliges Zion, die Gedanken finden langsam wieder Halt, können trotzdem nicht begreifen. 

Am nächsten Vormittag mit der kleinen Reisegruppe die Standardtour mit Ölberg, Garten Gethsemane, Via Dolorosa und nochmals die Grabeskirche. Aber alles ist anders; Tourismus und Alltag beherrschen die Stadt, wo ist das Heilige vom Vorabend? Einzig die Klagemauer fesselt, tausende Jahre Weltgeschichte, oder Windhauch, Windhauch?

Ungeahnte An- und Einsichten gewährt der Ramparts Walk auf der Stadtmauer, beim Rückweg, zum Abendessen im Eukalyptus, fühlen wir uns in der Stadt schon fast heimisch.

Weiter mit der Standardtour. Auf dem Tempelberg, eine andere Welt, man spürt die Spannung und fragt „Warum?“ und an der Klagemauer – Bar Mitzwa, freudig und ausgelassen feiern, an der heißesten Nahtstelle der Weltpolitik. 

Regierungsviertel, Haus des Buches, halt: Eine Schülergruppe, die Begleitung mit Gewehr, Wunden der neueren Geschichte. Auch Yad Vashem, Narbe oder Wunde, und wir als Deutsche; wir werden nicht angeklagt, Toda! 

Zum Tagesabschluss, von einem nahen Berg, ein fast prophetischer Blick über die beleuchtete Stadt, verheißenes Land, Shalom.

 Unter dem Meeresspiegel, Wüste, Totes Meer, und Massada – Fanal, damals und heute. Weiter nach Norden, wir verlassen die Wüste, entlang des Jordan, hier eingezwängt in Reihen von Stacheldraht. Abendessen im Rotenberg/Old Gesher, einzigartig, wunderbar – und wieder Narben und Wunden; Einschusslöcher, zerstörte Brücken, Geschichte und Gegenwart, unmittelbar am Jordan, heiliger Fluss,  

Und schließlich der See, seit Kindheitstagen Sehnsucht, gegenüber die Lichter von Tiberias, tiefes Einatmen – ja die Luft, das Wasser ist heilig.

 Auch am See Genezareth die Standarttour mit dem Berg der Seligpreisungen, Tabgha und Kapernaum, und wieder, es fehlt das Heilige des Vorabends. Später auf dem Schiff, mitten auf dem See, mitten in Israel und mitten im Heiligen Land – das Unmögliche; die deutsche Hymne in voller Lautstärke, „Warum nur?“. Und über allem die Hörner von Hattin. Und der Golan, wieder Geschichte und stacheldrahtumzäunte Gegenwart. Über Nazareth, mit der schwebenden Kuppel der Verkündigungsbasilika, führt der Weg nach Haifa auf dem Rücken des Karmel.

 Gerühmte Schönheit des Karmel, seit biblischen Zeiten. Wir genießen die Ausblicke auf die grünen Hügel und das blaue Meer, ebenso den verkosteten Wein. Weiter nach Cäsarea maritima, antiker Reichtum, paulinisches Wirken. Teils meterhoch, Geschichte in Tonscherben. Zum Abend in Tel Aviv, kein Frühlingshügel, pulsierende Großstadt am Meer.

 Früh, ein Bad im Meer, der Strand, sauber, wie mit Riesenrechen geharkt – doch halt, wieder Wunden: Der Rechen ist ein Minensuchgerät, jeden Morgen. Und dann die Stadt, das volle Leben, so sorglos und unbefangen, ansteckend.

 Wir müssen uns losreißen, müssen zurück nach Deutschland.

 Wir erlebten keine Anschläge, keine Unruhen und kein vor Militär strotzendes Land. Israel, du gelobtes Land, was bleibt: Sehnsucht, große Sehnsucht nach diesem Land, ebenso Bewunderung für seine Bewohner, und die Hoffnung, die Hoffnung auf Frieden, Shalom.   

Mathias P.