Treffen der Pilger

In den Erinnerungen und Bildern meiner beiden Israel-Reisen 1995 und 2012 stöbernd, kommen immer wieder Höhepunkte hervor, wie sie wohl viele Pilger dort erlebt haben. Sei es Jerusalem und Bethlehem mit der Vielfalt der christlichen Stätten, Tabgha mit einer hl. Messe am See oder viele, viele andere. Aber ein kleines – nicht geplantes – Erlebnis auf der letzten Reise im April 2012 möchte ich hier erwähnen, weil es mich doch stark bewegte und berührte.

Am letzten Tag der Anreise durch Jordanien hielten wir unseren Morgenimpuls am beschaulichen Ufer des Jordans. Wurde Jesus hier oder 127 Meter weiter oder 500 oder gar 1000 m weiter getauft? Völlig egal, wir waren auf biblischem Boden.

Während unsere Gedanken sich noch mit den Worten des eben gehörten Evangeliums befassten, entstand am gegenüberliegenden Ufer auf israelischer Seite leichte Unruhe. Einige Personen stellten einen Tisch und Lautsprecher auf, vermutlich bereiteten sie einen Gottesdienst vor. Und es kamen immer mehr Personen den Hang herunter zum Ufer. Nach ein paar Hin- und Herrufen stellte es sich heraus, dass wir Mainzer Pilger es auf der anderen Seite mit einer Pilgergruppe aus Polen um den Bischof Dziwicz (ehem. päpstlicher Sekretär von Johannes Paul II.) zu tun hatten.

Ein paar Grüße noch hinüber und herüber, freundliches Winken, ja und plötzlich begannen wir zu singen. Diese „Laudate omnes gentes“ aber wurde 10 bis 20 Meter weiter drüben aufgenommen, schwoll an und schnell war das ein echter gemeinsamer Lobgesang. Als das Lied verklungen war, zogen wir fast beschwingt weiter.

Wirklich keine weltbewegende Geschichte. Aber diese kleine und doch großartige Erlebnis, diese Pilger verbindende Treffen im Urland des Evangeliums, ließ uns spüren, dass der hier durch die christliche Verkündigung entstandene Glaube weltweit wirkt.

Franzjosef H.