Unvergessliche Tage

Im Jahre 1996, vom 30. 3. bis 13. 4., habe ich mit unserem Sohn Eckhard mit der Studiosoreise Jordanien und Israel besucht. Wir waren eine Woche in Jordanien und eine Woche in Israel. Wir landeten in Amman, hatten ein sehr schönes Hotel und an den folgenden Tagen lernten wir das Land kennen. Wir hatten eine gute deutsche Reiseleitung für beide Länder und bekamen in Jordanien einen Heimischen dazu, der keine Frage unbeantwortet ließ und überhaupt nicht nationalistisch dachte. Am 4. April endete die Jordanienreise in Akaba. Der tolle Jordanier bekam ein üppiges Trinkgeld.

Akaba erinnerte mich an den früheren Grenzübergang Helmstedt-Marienborn. Die Kontrolle dauerte 1 Std. In Israel angekommen stellte sich ein Israeli als neuer Begleiter vor, der uns die nächsten Tage begleitete. Wir waren schnell in Elat, bezogen das Hotel und hatten eine Zeit lang kein Programm. Wir badeten im Roten Meer, das Wasser war sehr sauber bei 27 Grad. Abends nach dem Essen noch eine Stadtrundfahrt. Es wurde schnell dunkel, alles war toll ausgeleuchtet. Wir konnten die Lichter auch von Akaba und auch nach Saudi Arabien sehen. Elat war eine Baustelle, die Stadt ist erst um 1950 entstanden und bebaut. Man sagte uns, in ganz Israel gäbe es an die 100.000 Gastarbeiter.

Das Essen änderte sich jetzt in der Karwoche, es gab kein Brot aus Sauerteig, es gab Knäckebrot. Am nächsten Vormittag besuchten wir das Observatorium. Einmalig, wie man die Unterwasserwelt durch Glas bestaunen kann. Dann plötzlich gab es Alarm. Über Lautsprecher wurden wir unterrichtet, ruhig und an Ort und Stelle zu bleiben. Nach 1/2 Std. war Entwarnung. Nachmittags ging es dann in nördliche Richtung durch die Negevwüste. 1/3 von ganz Israel ist Wüste. Den Gurion hatte gesagt, die Wüste fruchtbar zu machen, hier und da gibt es Kibbutze mit Bohrlöchern und eben Wasser. Der israelische Reiseleiter erzählte sehr viel, schimpfte aber ununterbrochen über die Palästinenser und die Araber. Das kam in unserer Gruppe nicht gut an. Wir waren ja in Jordanien verwöhnt.

Der nächste Stopp war in Mispe Ramon. Es ist eine kleine, tote Stadt, hier gibt es keine Arbeit. Heute ist Karfreitag, es gibt Fisch. Das Essen und die Quartiere sind überall in Ordnung. Am Karsamstag war das Tote Meer unser Ziel. Unterwegs gab es einige Haltepunkte, wir sahen Reste einer nabatäischen Anlage und Reste aus der byzantinischen Zeit. Dann erreichten wir die Kibbutze von Ben Gurion, dem Gründer Israels. Dann ein besonderer Höhepunkt, die Festung Massada. Wir erfuhren die lange Geschichte und die Tragödie um 70 nach Christi, wo noch 967 Zeloten, Männer, Frauen und Kinder in der Festung waren. Herodes II. wollte die Festung aushungern lassen, doch oben war reichlich Nahrung. Als man dann nach dem Bau der Rampe die Festung einnahm, hatten sich dort alle umgebracht. Herodes baute dann die Festung für sich aus, sehr verwinkelt und verzweigt, denn er traute niemandem. Wir stiegen über den Schlangenweg herab, fuhren ein Stück und waren am Toten Meer. Das Baden dort ist ein Traum. Wir wurden gewarnt, dass kein Wasser in die Augen kommt. Ich habe ein paar Salzbocken mit heim genommen. Am anderen Morgen, es ist Ostersonntag, fahren wir Richtung See Genezareth. Erster Stopp ist Engedi, die einzige Quelle, die unterhalb des Meeresspiegels liegt, eine grüne Oase. Das Tote Meer liegt 394 m unter dem Meeresspiegel. War En Gedi auch der Garten, wo Balsam wuchs? Die Pflanze ist ausgestorben. Nächster Halt war Qumran, wo ein Hirtenjunge die alten Schriften gefunden hat. Einige Schriftrollen sehen wir später in Jerusalem im extra dafür gebautem Museum. Dann sind wir in Jericho, wohl eine der ältesten Städte der Welt. Hier treiben Palästinenser regen Handel. Als nächstes hielten wir in der Ruinenstadt Bet Shean, einst prächtige Römerstadt, die durch ein Erdbeben 749 zerstört wurde. Zwischendurch schimpfte der israelische Reiseführer wieder mächtig über die Palästinenser. Dann sind wir endlich in Tiberias am See Genezareth. Von Ferne sehen wir den Berg Hermon, schneebedeckt, an der Grenze zu Libanon und Syrien. In Tiberias beziehen wir ein schönes Hotel.

Am folgenden Tag besuchen wir die Stadt Zefat. Wir fahren durch üppige Landschaften, hier wachsen Zitrusfrüchte, Avocados und Getreide. Wir sehen den Judasbaum, er blüht wunderschön rosarot. In Zefat besuchen wir eine Synagoge. Ein Rabbiner macht eine Führung, er spricht auch jiddisch. Dann geht es weiter Richtung Mittelmeer, nach Acco, der riesigen Anlage der Kreuzritter, die um 1200 die Muslime aus Jerusalem vertrieben haben, bis Saladin 200 Jahre später wieder einzog. Am nächsten Tag war Nazareth unser Ziel, die Heimat von Maria und Josef. Wir waren von der riesigen Kirche von 1960 beeindruckt. Jedes Land hat darin ein Kunstwerk erstellt. Eine angegliederte wunderschöne Kapelle wurde künstlerisch vom bekannten, auch uns bekannten Wiedenbrücker Bildhauer Hartmeier gestaltet. Herr Hartmeier hat auch bei uns in Isselhorst in Jahre 1970 die neue Turmtür unserer Kirche entworfen und erstellt. Dann ging es weiter am See Genezareth nach Magdala und Kapernaum. Hier in der Nähe auf einem Hügel hat Jesus wohl die Bergpredigt gehalten. Ein Zusatzpunkt wurde noch eingebaut, wir fuhren noch auf die Golanhöhe. Eine vom Krieg zurückgelassene menschenleere Gegend, von Mienen verseucht.

Am folgenden Tag kommt der Höhepunkt unserer Reise, Jerusalem. Wir fahren über Megido, sehen den Berg Tabor. Erst geht es aber noch einmal ans Mittelmeer, nach Cäsarea. Wir sehen den Teil eines erhaltenen Aquäduktes aus der Römerzeit. Dann Jerusalem. Wir bezogen das Hotel König Salomo. In diesem Jahr sind 60 % weniger Touristen gekommen, vor nicht allzu langer Zeit wurde hier Rabbin ermordet, von der Hamas. Am Donnerstag reihte sich eine Sehenswürdigkeit an die andere. Wir waren an der Klagemauer, gingen dann durchs Kidrontal zum Garten Gethsemane. Hier stehen noch 2000 Jahre alte Olivenbäume. Dann zurück in die Altstadt. Wir hatten eine Führung in der Al Aqsa Moschee. Die Führung machte ein Palästinenser, der in Deutschland Gastarbeiter war. Dann in den Felsendom mit der goldenen Kuppel, dem früheren Tempel der Juden. Dann weiter zur Via Dolorosa, der Straße des Leidens. Hier war ein Gedränge, die jede innere Einstellung verdrängte. Der Ort des Grabes ist eben noch aus dem Jahre 33 nach Christi. Nachmittags besuchten wir die Knesset, das Parlament, und hatten dann frei für kleine Einkäufe. Am Freitag weitere Höhepunkte, zum Hadassa Stift, ein riesiges Krankenhaus und der Kapelle mit den wunderschönen Glasfenstern von Marc Chagall, Darstellungen aus dem Alten Testament. Dann weiter nach Yad Va Shem, dem Holocaustmahnmal, beklemmend. Dann besuchten wir noch das Qumran-Museum, den Fundort hatten wir ja schon gesehen. Weiter nebenan in das Museum der Moderne. Hier hängen viele Werke europäischer Maler, aber auch aus aller Welt. Der letzte Höhepunkt war Bethlehem, der Geburtsort Jesu. Durch niedrige Türen ging es bis zur Geburtsstätte. Ein Stern markierte diesen bedeutenden Ort. In Bethlehem wurden wir von palästinensischen Christen angesprochen. Wir sollen uns doch mehr für eine Einigung der Palästinenser mit den Israelis einsetzen. Der Friedensprozess ist ja eine Unendlichkeit. Unser israelischer Reiseführer gab aber nur den Palästinensern die Schuld, dass noch keine Lösung erzielt wurde. Danach verabschiedete er sich von uns und wünschte uns eine gute Heimreise. Er bekam kein Trinkgeld. Der Samstag, der letzte Tag, war dann unsere Heimreise.

Es waren beeindruckende, einmalige, erlebnisreiche 14 Tage, die ich nie vergessen werde.

Wilfried H.