Wer holt mich ab?

„Wer holt mich ab? Die Flüge nach hier sind momentan billig. Dann zeige ich euch mein Israel.“

Unser Neffe Willi (20) leistete 2011/2012 seinen Zivildienst in Israel ab. Im September 2011 holte Willi seine Mutter, Schwester, Tante, Onkel, meinen Mann und mich in Tel Aviv vom Flughafen ab. Von Deutschland aus hatten wir ein Auto gemietet, und so fuhren wir mitten in der Nacht zum See Genezareth.

Angekommen in Beit Noah in den frühen Morgenstunden, legten wir unser Gepäck im Volontärspavillon (3 Etagenbetten plus 1 Matratze) für den Rest der Nacht ab und gingen zuerst zum Seeufer, um am Dalmanuta-Gottesdienstplatz für unsere gute Ankunft im Heiligen Land zu danken. Nach zwei Stunden Schlaf und Frühstück kam Pfarrer Ludger Bornemann, geistlicher Leiter des Pilgerhauses Tabgha, um uns die Brotvermehrungskirche mit ihren alten, wunderschönen Mosaiken, besonders das berühmteste „Korb mit Brot und zwei Fischen“, zu zeigen. Danach zogen wir um zu den italienischen Schwestern: Das Gästehaus steht direkt neben der Primatskapelle.

Der Berg der Seligpreisung stand auf dem Programm. Quer bergauf, am Ende durch einen Bananenhain, kamen wir bei der Kirche an. Die Türe wurde gerade geschlossen. Willi sprach mit der Schwester und wir durften für eine Viertelstunde zur Anbetung in die Kirche. Willi hatte alles organisiert.

Der nächste Tag war mit Kafarnaum, Besuch des Hula-Nationalparks (mit am nördlichsten wachsenden Papyrus), einem Gewaltmarsch zum Gilabun-Wasserfall und Besichtigung der Künstlerstadt Safed angesagt. Am Abend zeigte uns die Schwester in der Küche einen Schlüssel und sagte: „Morgens um 6 Uhr können sie die Tür im Zaun aufschließen und hinüber zur Primatskapelle gehen.“

Dies taten wir am nächsten Morgen. Erst erlebten wir den Sonnenaufgang am See über den Golanhöhen und gingen dann in die Kapelle. Wenn man erlebt hat, was dort ab 8 Uhr für ein Pilgeransturm ist, und wir Sieben nun ganz alleine in dieser Kapelle. Dieses Gefühl kann man nicht beschreiben. Weiterfahrt nach Jerusalem mit Zwischenstopp in Nazareth. Verkündigungsbasilika, Josefskirche und die griechisch-orthodoxe Verkündigungskirche. In Jerusalem war nun das Paulushaus unsere Bleibe. Zuerst lockte uns das Gartengrab hinterm Paulushaus und dann ging es vom zentralen Busbahnhof nach Bethlehem. Dort waren wir im Caritas-Babyhospital zu Gast. Unten im Zentrum ging es zur Milchgrotte, zur Katharinenkirche mit Hieronymusgrotte und gegen Abend besuchten wir die Geburtskirche mit Grotte. Da die meisten Pilger schon wieder nach Jerusalem zurück waren, hatten wir die Geburtsgrotte ganz für uns alleine. In Jerusalem besuchten wir alle heiligen Stätten der Christen. Wir hatten sogar eine private Führung durch Pater Petrus durch das Franziskaner-Kloster, über die Dächer von Jerusalem bis wir plötzlich und unerwartet in der Grabeskirche standen. Wir hatten Glück und kamen auch auf den Tempelberg.

Yad Vashem war natürlich auch für uns ein Anliegen. In der Straßenbahn dorthin nahm eine ältere Frau meine Hand und bedankte sich mit Tränen in den Augen auf Deutsch für unseren Besuch der Gedenkstätte. Auf dem Berg Zion trafen wir mit einem guten Bekannten aus unserer Heimat zusammen, Abt Benedikt Lindemann. Es war ein großes Hallo. In der Anna-Kirche bei den Bethesda-Teichen begeisterte uns die traumhafte Akustik. In Abu Gosch besuchten wir die Marienkirche „Unsere Dame von der Bundeslade“ und die alte Kreuzfahrerkirche, Es gab auch viel Entspannung, baden im Mittelmehr bei Yaffa, Massada mit Bad im Toten Meer und dem Wadi David bei En Gedi mit Bad unter dem Wasserfall.

Aber alles hat ein Ende. Wir waren tief beeindruckt wie viele Kontakte und Freundschaften unser Neffe Willi in seiner Volontärszeit geknüpft hatte. Wir haben in diesen zehn Tagen Israel soviel erlebt, dass der Platz für den Bericht hier leider nicht reicht. Aber wir erzählen immer wieder in allen Einzelheiten über den Besuch unserer Familie in Israel.

Mit einem Shalom verabschiedeten wir uns aus Israel.

Marita L.