Wie Israel unsere Heimat wurde

Es ist schon ein ganz besonderes Israel-Erlebnis, das wir, meine Frau und ich, in den zurück liegenden 3 ½ Jahren hatten und das ich zu beschreiben versuche. Es war alles andere als einfach für uns, aber wir möchten es nicht mehr missen, hat es doch unser Leben zutiefst geprägt.

Aber da muss ich doch etwas weiter ausholen. 24 Jahre lang war ich als Priester tätig in der Diözese Mainz, davon 17 Jahre als Pfarrer in einer Diasporagemeinde, und ich hatte viel Freude an meinem Beruf, den ich auch als Berufung verspürte. Aber dann habe ich mich zu einem Schritt entschlossen, der für diesen meinen Beruf das Aus bedeutete: ich habe meine langjährige Gemeindereferentin geheiratet.

Der Seelsorgeberuf war für uns beide zutiefst sinnvoll, und wir wollten auch weiter etwas Sinnvolles mit unserem Leben anfangen. Wir entschlossen nach Israel auszuwandern und uns dort beim christlichen Kibbuz Nes Amim zu bewerben, dessen Ziel nach dem Holocaust die Aussöhnung ist zwischen Juden und Christen. Unseren ganzen Besitz gaben wir auf und nahmen nur das mit, was in unseren kleinen PKW-Anhänger passte, darunter auch ein altes Holzkreuz und die Bibel und ganz viel Gottvertrauen, „wie Abraham“, so ging es mir durch den Kopf.

In Israel fanden wir zunächst Unterkunft in Bethlehem, bei einem arabischen Christen. Es folgten sechs Monate bangen Wartens, ob uns Nes Amim aufnehmen würde. Unsere Kirche war in dieser Zeit die Dormitio-Abtei in  Jerusalem. An Weihnachten hatten wir dort ein besonderes Erlebnis: Der Abt predigte von einem Gott, der aus seiner von uns Menschen IHM zudachten Rolle gefallen ist, nicht der allmächtige Gott, der hoch erhaben auf seinem Thron sitzt, sondern ein Gott, der als kleines,  schwaches Kind in Bethlehem geboren wird und auf die Hilfe anderer angewiesen ist. Aber gerade so wurde er uns zum Heil. Zum Abschluss machte der Abt uns Mut, doch selber einmal aus der Rolle zu fallen, und diese Worte nahm ich auf, als seien sie von Gott ganz persönlich zu uns gesprochen.

Ja, und dann, nach einem halben Jahr, die Nachricht: Nes Amim nimmt uns auf, ich weinte vor Freude und Glück. Was wir dann erlebten in den folgenden drei Jahren, das hat meinen Glauben an einen Schutzengel, der unser Leben begleitet und alles zum Guten wendet, so bestärkt, dass er mir zu einem guten Freund geworden ist. Das Leben in Nes Amim war gewiss nicht einfach, harte Arbeit, wenig Geld, aber gute Freunde, unter ihnen auch jüdische Menschen, die uns treu zur Seite standen.  Unser größter Wunsch war es, ein  Kind adoptieren zu dürfen und so zu einer Familie zu werden. Wie uns mitgeteilt wurde, von amtlicher Stelle ein völlig aussichtsloser Fall!

Meine Frau weinte viel; eine jüdische Frau aus dem Nachbar-Kibbuz Regba sah ihre Tränen und tröstete sie. Ja, und dann nach Wochen – völlig unerwartet – kam sie mit der Nachricht: „Ein kleines Mädchen wartet auf euch im Babyheim bei Tel Aviv; fahrt drei Tage hin und schaut, ob ihr zueinander passt“, sagte sie. Sie hatte ihre ganze Kraft und Stellung dafür eingesetzt, unseren Wunsch nach einem Kind zu erfüllen – ein Engel, der zur rechten Zeit uns zur Seite stand und dann wieder aus unserem Leben verschwand. Aber die Erinnerung an sie, verbunden mit einer tiefen Dankbarkeit, bleibt für immer in unserem Herzen.

Wir leben nun alle drei wieder in Deutschland, aber Israel ist und bleibt für uns unsere ganz besondere, lieb gewonnene Heimat.

Heinz S.