Wo ich meine Liebe fand

Israel, ein Land, wo ich meine Liebe fand.

Im Religionsunterricht, in der Schule, war ich des Öfteren über der Landkarte des Heiligen Landes versunken.

Im Jahre 1978 war ich mit dem Flieger in Israel, als ich dann zum Heimflug die Gangway hoch ging, drehte ich mich, bevor ich ins Flugzeug ging, um. Ein letzter Blick über die Ebene, dann ging mir ein Gedanke durch den Kopf: „Ich komme wieder, mit meinem Auto, ich habe zu wenig gesehen vom Land.“ Beim Hineingehen ins Flugzeug denke ich, was war das denn, mit dem Auto nach Israel, wie kann das denn gehen?

Im Frühjahr 1981 zeichnete sich ab, dass dieser Traum Wirklichkeit würde. Ich begann viel zu lesen, historisches und geschichtliches. Das Auto welches ich damals fuhr, hatte zwei Reservereifen, einen über der Fahrerkabine. Daneben bastelte ich mir jeweils eine Halterung für 20 Liter Benzin- und Wasserkanister. Im PKW hatte ich einen Erdanker, Sandbleche, Benzinkocher und Einmannverpflegungspakete für vier Tage, sowie noch diverse andere Ersatzteile. Mein damaliger Chef erlaubte mir Überstunden zu sammeln, so kam ich auf acht Wochen Urlaub.

Am 27.08.1981 begann das Abenteuer, alleine. Es ging nach Ancona, in den Hafen. Mit der Schiffsfähre über Piräus nach Haifa. Nach vier Tagen auf dem Mittelmeer, schälte sich morgens das Karmelgebirge aus dem Dunst.

Mein erster Weg führte mich zu See Genezareth, schwimmen. Durch die Jordansenke fuhr ich nach Jerusalem, dann nach Latrun. Am anderen Morgen ging die Fahrt nach Ra´anana, nördlich von Tel Aviv. Dort, so war von mir geplant, wollte ich in einer Einrichtung des Staates Israel für Menschen mit geistiger Behinderung als Volontär arbeiten.

Mein schlechtes Englisch, ein paar Worte Hibru, mir wurde gesagt, ich solle warten, gleich käme ein Mädchen, die könne besser Englisch. Also setzte ich mich auf eine Bank. Dann kam auf der anderen Straßenseite, forschen Schrittes, ein Mädchen. Ich denke: Oh! Genau, dieses Mädchen kam dann zu mir: „Du bist der neue Volontär?“ Es begann eine spannende, aufregende Zeit. Das Leben mit den Behinderten, von ihnen lernte ich im Laufe der Zeit noch einige Worte hebräisch. Da ich mein Auto dabei hatte war es super für die anderen Freiwilligen, morgens arbeiten und nachmittags zur Jam, dem Mittelmeer fahren, oder mal eben nach Jerusalem in die Old City. Wenn wir zwei Tage frei hatten ging es nach Elat oder zum See Genezareth. Ich lernte das Land kennen von Dan bis Beersheba. Doch vieles gibt es noch zu entdecken.

 Eines Abends ging ich in Ra´anana mit einer Israelin, Ahuva, spazieren, ich wollte ihr etwas erzählen, mir fehlte ein Wort. Da kam uns eine ältere Dame entgegen, ich denke, die kann Jiddisch, spreche Sie auf Hebräisch an: „Slicha“, wechsle ins deutsche und frage, wie das mir fehlende Wort auf Hibru heißt. Sie schaut mich an, sie schaut Ahuva an. Die Israelin zieht mich schon weg. Dann sagt die Dame, den Arm zeigend: „Ich wollte diese Sprache nie mehr sprechen, aber ich sehe die Zeiten haben sich verändert!“ Sehr nachdenklich ging ich mit dem Mädchen weiter.

Mit dem deutschen Mädchen, Marion, die mich angesprochen hatte, ob ich der neue Volontär sei, hatten wir zusammen guten Kontakt zu den Eltern von Ahuva, wir wurden öfter zu ihnen eingeladen.

Irgendwann geht die schönste Zeit zu Ende. Die letzte Schiffsfähre musste ich erreichen. Marion gab mir einen Koffer mit für ihre Eltern in Deutschland, sie wohnten nicht weit weg von mir. Marion wollte noch eine Zeit in dieser Einrichtung bleiben. Als ich in Haifa im Hafen war, da merkte ich, ich habe in Israel etwas verloren, nichts Materielles, ein Stück von mir.

In Deutschland rief ich die Eltern von Marion an, ich hätte einen Koffer von ihrer Tochter, wann ich ihn bringen könne. Als ich den Koffer abgab, sagte ich noch, ich hätte viele Dias gemacht, wo ihre Tochter auch drauf sei, gerne würde ich die Bilder, wenn sie fertig sind, zeigen kommen. Als ich dann die Bilder zeigen fuhr, gab mir der Vater von Marion zehn Mark. Heute sage ich öfter zu ihm, ja, ja, wenn du mir damals nicht die zehn Mark gegeben hättest. Marion kam Weihnachten mit dem Flieger nach Hause. Im Mai 1982 heirateten wir, so sind wir heute Eltern von vier Töchtern.

Mit Ahuva, ihrem Mann und ihren Eltern haben wir heute noch per eMail Kontakt.

Gerne denke ich an diese Zeit in Israel zurück, hier habe ich nur ganz wenige Eindrücke geschrieben, es war viel mehr. Es ist immer noch ein Teil von mir in Erez Israel.

Winfried K.